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Das Kanarische Kulturlexikon

Musik, Malerei und medizinische Hausmittel

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13.05.2006 - Teneriffa - Auf den Kanarischen Inseln gab es und gibt es ein reichhaltiges kulturelles Leben. Ein kürzlich erschienenes Lerxikon gibt einen Überblick darüber. Die Kanarischen Inseln: Das sind nicht nur Sonne, Sand und Meer. Das Leben der Menschen hat im Laufe der Jahrhunderte bestimmte Eigenarten und Bräuche hervorgebracht. Die Kultur der sieben Inseln besteht aus vielen Facetten, die zum Teil Jahrhunderte zurück reichen.

Beim
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Beim "Silbo Gomero" wurde . . .
Einen umfassenden Überblick darüber gibt die, bisher leider nur in spanischer Sprache erschienene Enzyklopädie „Canarias La Gran Enciclopedia de la Cultura“. Auf mehr als 500 Seiten und 1.100 Fotos erfährt der Leser Erstaunliches über die „Islas Afortunadae“ (Glücklichen Inseln). So war das Mitteilungsbedürfnis hier schon immer sehr ausgeprägt. Bereits im Jahre 1751 wurde die erste Zeitung auf Teneriffa herausgegeben. Heute erscheinen hier sechs lokale Tageszeitungen für rund 1,8 Millionen Einwohner; vier allein in der Provinz Teneriffa.
 
Seit 1964 gibt es auf Teneriffa Fernsehen. Mehr als ein halbes Dutzend lokale TV-Sender kämpfen neben dem staatlichen Sender TVE und den Programmen der spanienweiten privaten Anbieter um die Zuschauergunst. Es gibt unzählige Radiosender auf Teneriffa, manche haben nur eine Reichweite von wenigen Kilometern.
 
Typisch für die Inseln sind die traditionellen Feste und die Romerìas, bei denen die Teilnehmer die Trachten ihrer Region tragen. Es gibt zahllose Folklore-Gruppen, die die traditionelle Musik am Leben erhalten und sogar ein typisches Instrument: Die Timple, eine Mini-Gitarre mit fünf Saiten.
 
Auch im Bereich der klassischen Musik haben die Kanaren ihre Spuren hinterlassen.  Der Tenor Alfredo Krauss, nach dem die Konzerthalle in Las Palmas benannt ist, zählte zu den bedeutendsten Opernsängern Europas.. Doch auch Pop- und Rockmusik wird hier gemacht: Die kanarischen Sänger Rosana und Pedro Guerra sind spanienweit bekannt und was die Red Hot Chili Peppers für Kalifornien sind, sind Las Ratas für Teneriffa.

. . . per Pfeifton kommuniziert
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. . . per Pfeifton kommuniziert
Auch eine Kommunikationsform der besonderen Art hat sich auf den Kanaren entwickelt: Der „Silbo Gomero“, eine Sprache die durch Pfeiftöne kommuniziert.
 
Walabenteuer und historische Fotografie
 
Sogar der Film hat auf dem Archipel seine Spuren hinterlassen. So drehte John Houston den Streifen „Moby Dick“ mit Gregory Peck in der Hauptrolle in den Kanarischen Gewässern. Die Fotografie gelangte bereits im Jahr ihrer Erfindung nach Teneriffa, als ein durchreisender Brite erste Aufnahmen von der Insel machte. Im Jahre 1856 entstand die erste Fotoserie. Im 19. Jahrhundert wurde die Insel vielfach porträtiert. Dabei bevorzugten die Fotografen Landschäftsaufnahmen und das Leben der einfachen Leute als Motiv.
 
Auch einige bedeutende Schriftsteller stammen von den Kanaren, nach denen heute Strassen und Institutionen benannt worden sind, etwa Benito Pèrez Galdòs oder Àngel Guìmera Jorge. Allerdings wurden sie erst berühmt, als sie bereits in Madrid und Barcelona lebten. Die Entstehung der bildenden Kunst ist eng mit der Religion verknüpft. Viele Kirchen sind mit wertvollen Gemälden und Statuen geschmückt, die im 16. und 17. Jahrhundert häufig bei flämischen Malern in Holland und Belgien bestellt wurden. Doch auch impressionistische und expressionistische Künstler haben die kanarischen Inseln hervorgebracht.
 
Kunsthandwerk und Architektur
 
Eine besondere Rolle spielt das Kunsthandwerk, dass bis in die Zeit der Guanchen zurückreicht. Dazu zählen unter anderem die Weberei, das Korbflechten und die Seidenherstellung auf La Palma.

Eine alte Druckmaschine: Das Zeitungswesen begann sehr früh
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Eine alte Druckmaschine: Das Zeitungswesen begann sehr früh
Auf den Kanaren hat sich ein typischer Baustil herausgebildet, der sich durch Zweckmässigkeit auszeichnet. Die historischen Häuser gruppieren sich in der Regel um einen Innenhof. Sie sind in der Regel nicht höher als drei Stockwerke, Wobei das Erdgeschoss oft höher ist als die anderen Etagen. Der Fensterflügel wird zum Öffnen nach oben gezogen, ein architektonisches Element, das ursprünglich aus Portugal stammt. Die Visitenkarte des Hauses ist der, entsprechend den finzanziellen Mitteln der Besitzer, reich verzierte Balkon.
 
Nicht nur für den Balkon, auch  für Fenster, Türen, Vordächer und Dachrinnen wird Holz als Baumaterial verwendet. Typische Bauten dieser Art können in der Universitätsstadt La Laguna bewundert werden. Die Fassaden vieler öffentlicher Gebäude zeichnen sich durch eine strenge Symmetrie aus.
 
Dazu gehören der,  aus dem 17. Jahrhundert stammende Nava-Palast in La Laguna ebenso wie das Rathaus der Universitätsstadt an der Plaza de Adelantado, dessen Fassade 1822 umgestaltet wurde. Ein Trend der sich am Palast der Inselregierung in Santa Cruz, der rund hundert Jahre später errichtet wurde, fortsetzt. Auch das Museum für Mensch und Natur in der Inselhauptstadt, dass urprünglich ein Krankenhaus beherbergte, kann in diese Reihe mit aufgenommen werden.

Wissenschaft und Quacksalber
 
Doch auch Wissenschaft und Forschung haben einen großen Stellenwert. Es gibt zwei Universitäten auf den Inseln: Eine in La Laguna, die andere in Las Palmas. Darüberhinaus gibt es mehrere wichtige Forschungsprojekte: Dazu gehören neben anderen das kanarische Institut für Meereswissenschaften, Observatorien zur Erforschung des Himmels, das Technologische Institut für Regenerative Energie (ITER) und  das Ozeanografische Institut. 
 
Typisch für den Charakter der Inseln sind auch die Hausmittel der „Curanderos“, die für die einen Wunderheiler und für andere Kurpfuscher waren. Ihre Tätigkeit hat viel mit Glauben oder auch Aberglauben zu tun. So wurde bei Krankheiten der für den befallenen Körperteil zuständige Heilige angerufen. Sie verteilten schützende Amulette, verwendeten Heilkräuter oder vollzogen magische Rituale an Mensch und Tier: So banden sie Kühen rote Schleifen, um Augenleiden von ihnen fernzuhalten oder murmelten Beschwörungsformeln, um bei kleinen Kindern Alpträume zu verscheuchen. Sie benutzten Knoblauch gegen Hühneraugen und empfahlen zur Behandlung des Alkoholismus ein Stück Aal in ein Glas mit Wein zu packen und den Inhalt am folgenden Tag zu trinken. Das Buch ist erhältlich bei: 

Centro de la Cultura Popular 
La Laguna
Tel.: 922 82 78 00
www.centrodelacultura.com