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Brieftauben auf den Kanaren:

Fliegende Boten

© tfpelmarw
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13.05.2006 - Teneriffa - Auf Teneriffa gibt es viele Taubenzüchter. Die Vögel gelangten von hier sogar nach Südamerika, wo sie unverzichtbare Dienste leisteten. Taubenhalter versprühen für die meisten Deutschen den Charme von Kohlehalden. Sie werden zumeist in einem Atemzug mit dem Ruhrgebiet, Gelsenkirchener Barock oder Schalke 04 genannt. Die Kanaren hingegen werden mit Sonne, Sand und Meer in Verbindung gebracht.

Taubenküken über dem Ozean
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Taubenküken über dem Ozean
Doch auch hier gibt es seit über einem Jahrhundert Taubenzüchterverbände. Der letzte von ihnen wurde auf  La Gomera, der sogenannten „Isla Colombina“, gegründet. Das ist erstaunlich, denn der Beiname leitet sich nicht vom Amerika-Entdecker Christoph Kolumbus ab, der einst auf dem Weg zur Neuen Welt einen Zwischenstopp auf Teneriffas Nachbarinsel einlegte, sondern vom Adjektiv „colombino“, was „taubenähnlich“ oder „taubenblau“ bedeutet. 
 
Die Vereinigung der spanischen Taubenzüchter firmiert unter dem Namen „Real Federaciòn Colombófila de España“. Der Sektion Teneriffa gehören 28 Vereine an. Auch wenn bei den, einst in Belgien entstandenen Brieftauben-Wettbewerben weltweit die gleichen Regeln gelten, so gibt es doch erhebliche Unterschiede. Marco Casanova etwa, hält seine 140 Tauben in Volieren auf einer begrünten Dachterrasse. Von dort hat er einen traumhaften Blick über die Weite des Atlantischen Ozeans und den Hafen von Teneriffas Hauptstadt Santa Cruz.
 
Im  Alter von 16 Jahren  begann er damit, Brieftauben zu züchten und sich an Wettbewerben zu beteiligen. Er konnte bereits zahlreiche Preise gewinnen. Dabei muss er alle Kosten selbst tragen. Im Gegensatz zu vielen anderen Regionen erhalten die Sieger auf den Kanaren keine Geldprämien  sondern nur Pokale und Urkunden. 

Zielflug Nordafrika - Teneriffa
Die Flugrouten der, im spanischen „palomas de mensajero“, „Boten-Tauben“, genannten Vögel, führen auf den Kanaren über das Meer. Das erfordert einer größere Ausdauer und einen besseren Orientierungssinn bei den Tauben. Die Vögel müssen die Strecken Non-Stop fliegen, Bäume zum Ausruhen gibt es unterwegs nicht.

Die Tauben werden langsam an die Aufgaben gewöhnt. Die ersten drei, zwischen 20 und 60 Kilometer langen  Flüge finden  auf Teneriffa statt. Dann müssen Strecken über den Ozean mit Abflug von  Gran Canaria, Fuerteventura und Lanzarote über Distanzen zwischen 90 und 300 Kilometern bewältigt werden. Anschliessend werden die Tiere auf bis zu drei Tagen dauernden  Schiffsreisen  oder per Flugzeug zu Abflugbasen in Marokko transportiert.

Königsdisziplin ist die rund 1.100 Kilometer lange Flugroute von Casablanca nach Teneriffa. Dabei findet nicht jede Taube aufgrund von Unwettern und Sturmböen den Weg zurück zum heimischen Käfig. Das südliche Klima hat eine besondere Taubenrasse hervorgebracht. Im Vergleich zu Nordeuropa  sind   die  kanarischen  Tauben kleiner und haben ein dünneres Gefieder. Sie stammen häufig aus Südamerika. Dorthin gelangten die ursprünglich aus dem belgischen Lüttich stammenden Tiere durch kanarische Auswanderer.

Die Immigranten setzten die Tiere bevorzugt bei der Erschliessung neuer Gebiete als Sendboten ein. So ist auch die Brieftaube ein Symbol für die enge Beziehung zwischen den Kanarischen Inseln und Lateinamerika und spiegelt einen wichtigen Abschnitt der kanarischen Geschichte wieder.