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Timple-Ausstellung in La Laguna

Instrument zur Inselgruppe

Timple: Das kanarische Instrument schlechthin
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Timple: Das kanarische Instrument schlechthin
06.07.2009 - Teneriffa - Für den Laien ist es eine Mini-Gitarre, für den Patrioten eines der kanarischen Symbole überhaupt und für Folklore-Musiker, das ideale Instrument, um Sangesgruppen zu begleiten: Das Timple. Im Rahmen der “Fiestas de San Benito” ist ihm eine Ausstellung im “Casa de Capitanes” in La Laguna gewidmet

Das Timple wird in Handarbeit hergestellt
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Das Timple wird in Handarbeit hergestellt
Das Timple ist ein fünfsaitges Holzinstrument, das die Barocklaute zum Urahnen und die Saite mit den tiefsten Tönen in der Mitte des kurzen Griffbretts hat. 
 
“Es eignet sich sehr gut, zum spielen von Akkorden”, sagt Benito Cabrera. “Es ist das optimale Instrument zur Begleitung der “parrandas” – der kanarischen Folklore-Chöre.” Er muss es es wissen.
 
Benito Cabrera ist der wohl bekannteste Virtouse auf dem kleinen Saiteninstrument und bereits in der New Yorker Carnegie Hall aufgetreten. Er kann meisterhaft improvisieren, hat Jazz-Kompositionen mit dem Timple eingespielt und ist der musikalische Leiter des weltbekannten Folklore-Orchesters “Los Sabadeños”, zu dessen Besetzung mehrere Timplisten gehören. 

Urahnen des Timple: Die Barockgitarre und die Vihuela aus dem 16. Jahrhundert
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Urahnen des Timple: Die Barockgitarre und die Vihuela aus dem 16. Jahrhundert
Cabrera hat sich auch als Musikwissenschaftler einen Namen gemacht und die Aussstellung zusammengestellt, in der Geschichte, Technik und Herkunft des Instrumentes anhand von Modellen und Schautafeln dokumentiert sind.
 
Der Name des Timple geht vermutlich auf das katalanische Wort “tiple” zuruck. Dahinter verbirgt sich nicht nur ein in Südamerika beliebtes gitarrenähnliches Musikinstrument, es ist auch der Begriff für eine Tonlage, die dem “Sopran” vergleichbar ist. Das Wort wird bespielsweise auch zur Klassifizierung von Blasinstrumenten, etwa Saxophonen, verwendet.
 
Man nimmt an, dass die Bezeichnung “timple” das Ergebnis lautmalerischer Klangverschiebungen ist. Aufgrund der kurzen Saitenlange hat das Timple einen sehr hellen Klang und erfordert eine andere Grifftechnik als die Gitarre. Eine besondere Anschlagtechnik ist erforderlich, um Töne mit einem hinreichenden Klangvolumen zu erzeugen. 

Von der Form her mehr Rockbass: Das elektro-akustische Timple
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Von der Form her mehr Rockbass: Das elektro-akustische Timple
Das Instrument hat eine Länge von etwa 60 Zentimetern, Davon nimmt der Resonanzkörper mit Schallloch und Steg, zur Befestigung der fünf Saiten knapp die Hälfte ein. Das Griffbrett mit den Metallbünden und Wirbeln ist gut 35 Zentimeter lang.
 
Die Saiten wurden einst aus tierischen Eingeweiden hergestellt, später wurden auch  Angelschnüre benutzt. Heute werden industriell produzierte Nylonsaiten verwenden. 

An jedem Timple ist die Handschrift des Herstellers ablesbar
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An jedem Timple ist die Handschrift des Herstellers ablesbar
Im Unterschied zur Gitarre ist die mittlere Saite die am tiefsten gestimmte.
 
Die erste und vierte sind am hellsten. Die beiden anderen Saiten sind ebenfalls gleich dick und etwas tiefer gestimmt. 
 
Allerdings gibt es auch beim Timple, die Möglichkeit, durch Abweichnungen von der Standardstimmung das Klangbild zu verändern.
 
Beim Spiel werden einzelne oder alle Saiten mir einem “Plektron” angeschlagen (“rasguear”). Einst wurde es aus einst Vogelfedern hergestellt,  heute wird Plastik verwendet.
 
Wie die Gitarre und die Geige geht das Timple auf die Laute des Barocks, ein Instrument, das auf “der arabischen “laud” basiert, die über die arabische Eroberung der iberischen Halbinsel im frühen Mittelalter nach Europa gelangte.
 
Erstaunlicherweise gibt es in verschiedene Regionen der Welt Instrumente, die Ähnlichkeiten zum Timple aufweisen oder eine vergleichbare Funktion haben. Dazu zählen unter anderem das portugiesische Cavaquihno, die Ukele auf  Hawaii, die russische Balalaika, die philipinische Bandurria und das arabische Rebab. Dabei handelt sich um Holzinstrumente mit Resonanzkörpern  und 3 bis 5 Saiten. 

Fans: La Lagunas Bürgermeister Clavijo Batlle beim Betrachten der Exponate
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Fans: La Lagunas Bürgermeister Clavijo Batlle beim Betrachten der Exponate
Die ersten Spuren auf den Kanarischen Inseln haben die Vorläufern des heutigen Timples auf Lanzrote hinterlassen. Dort entstanden vor einem knappen Jahrhundert auch die ersten Manufakturen zum Bau des Instrumentes.
 
Es gibt zwar eine überlieferte Grundform des Timples, doch jeder Instrumentenbauer drückt seinem Werk seine eigene Handschrift auf.
 
Für die Herstellung wird vielfach Pinien- und Ebenholz verwendet, für die Verzierungen sogar Orangenholz. Vor der Verwendung von Kunststoff wurde der oberste Bund aus Rinder- oder Kamelknochen gefertigt.
 
Natürlich hat auch der technische Fortschritt nicht vor dem Timple haltgemacht. Inzwischen gibt es sogar das elektro-akustische Timple. Das Pedant zur E-Gitarre kann sogar in riesige Lautsprecher eingestöpselt werden.
 
Vom Aussehen her verbindet man diese Ausführung des Instrumentes allerdings eher mit dekadenten kalifornischen Rockgöttern, als mit bescheidenen Weinbauern, die auf den traditionellen Festen in den abgeschiedenen Regionen der kanarische Bergwelt Dorfchöre bei ihren Volksweisen begleiten.