Teneriffa      La Palma      La Gomera      El Hierro


Postschiff-Tradition

Traditionelles Reisen

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13.05.2006 - Teneriffa - Die Postschiffe waren einst die wichtigsten Verkehrsverbindungen zwischen den einzelmem Kanarischen Inseln. Heutzutage verbindet das Flugzeug den europäischen Kontinent und die Kanarischen Inseln. Das war nicht immer so.

Die
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Die "La Palma" nach dem Einlaufen in den Hafen von Santa Cruz vor über einem halben Jahrzehnt
Einst war der Wasserweg die wichtigste Transportader; nicht zur zwischen dem Archipel vor der afrikanischen Küste und dem spanischen Festland,  auch zwischen den einzelnen Inseln. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts verbanden Schoner mit 40 bis 50 Tonnen die Häfen der Gewässer zwischen Lanzarote und El Hierro. Ab den siebziger Jahren dieses Jahrhunderts verfügten sie über kleinere Motoren, die nicht nur das Manövrieren vor den Kais erleichterten, sondern auch das Fahren bei Flaute ermöglichten.
 
Im Jahre 1866 wurde erstmals eine Konzession für die Einrichtung von Schiffahrtslinien zwischen den Inseln ausgeschrieben. Gewinner dieses Wettbewerbes war „Compañía de Vapores Correos Interinsulares Canarios“, eine Filiale der englischen „Elder Dempster Ltd.“, die ab  Spätsommer 1888 die ersten beiden Dampfschiffe in Betrieb nahm. In den folgenden Jahrzehnten wuchs der Seeverkehr auf den Kanaren immer stärker an, so dass Anfang des 20. Jahrhunderts weitere drei große und drei kleinere Schiffe bei einer britischen Werft in Auftrag gegeben wurden. Zu den größeren Schiffen zählte auch die 1912, im Jahr des Titanic-Untergangs, gebaute „La Palma“.

Nach einer Jungfernfahrt mit Zwischenstopp in Bremen nahm sie im Sommer des folgenden Jahres den Linienbetrieb als Postschiff auf. Die „La Palma“ hat einen Schiffsrumpf aus  Stahl mit einem aus zwei Decks bestehenden Aufbau. Sie ist 61 Meter lang und 9,14 Meter breit. Ihr 700 PS starker Dampfmotor erreichte damals eine Geschwindigkeit von 11 Knoten. Im ersten Weltkrieg und im spanischen Bürgerkrieg wurde das Schiff für Militärtransporte eingesetzt und 1936 sogar mit Kanonen ausgerüstet.

Königsbesuch als Signal für den Infrastruktur-Ausbau
 
Anlass  für den Bau der Postschiffe war der Besuch von Alfonso XIII. Der erste Besuch eines spanischen Königs überhaupt riss die abgelegene Inselgruppe aus ihrem Dornröschenschlaf und sorgte dafür, dass die kleinen Inseln, wie La Gomera oder El Hierro ,nicht mehr völlig von der Außenwelt abgeschnitten waren. Die Einrichtung der Postschiffe führten zu einer Verbesserung der Versorgung. Landwirtschaftliche Erzeugnisse konnten ausgeführt, Produkte, die es bisher nicht gab, eingeführt werden.

Es war jetzt auch möglich, schwerkranke Patienten ins Krankenhaus auf Teneriffa zu bringen, denn selbst auf La Palma, der zweitgrößten Insel der Westprovinz, gab es kaum Ärzte. Studenten gelangten per Postschiff zur Universität auf Teneriffa und kehrten nach ihrem Abschluss oftmals nicht mehr auf ihre Heimatinsel zurück. Doch auch Ochsen, Ziegen  und Kamele wurden transportiert. Hin und wieder wurden die Postschiffe sogar für Truppentransporte nach Nordafrika eingesetzt.

Die ersten Autos gelangten zumeist per Postschiff auf die Inseln. Da konnte schon  mal der schwere Chevrolet eines Rückkehrers aus Venezuela zu Bruch gehen, da die Be- und Entladevorrichtungen selbst auf den größeren Inseln einer derart schweren Last nicht immer standhielten. Die Ankunft heutiger Ozeanriesen hatte aus damaliger Sicht mindestens etwas Utopisches. Gab es auf La Palma, Lanzarote, Teneriffa und Gran Canaria noch Häfen, so ankerten die Postschiffe in den Buchten vor den Hauptstädten von La Gomera und El Hierro und wurden durch kleinere Boote be- und entladen. Ans Ufer gelangte die Fracht per Ladekran.

Auf El Hierro war zwar 1916 ein Hafen gebaut worden, doch er war für die Postschiffe zu klein. Zwar wurde in den dreissiger Jahren eine Hafenerweiterung ins Auge gefasst, sie wurde allerdings erst mit Mitteln aus dem nationalen Etat 1960 realisiert, nachdem Franco während eines Besuchs die Armut der Insel mit eigenen Augen gesehen hatte.

Passagier- und Gefangenentransporte
 
Mit der „La Palma“, wie mit den meisten Postschiffen, wurde nicht nur Frachten befördert, es gab auch Kabinen für 190 Passagiere, die in drei Klassen unterteilt waren. In der ersten Klasse reisten Politiker und vermögende Leute. Ihre Unterkünfte befanden sich auf dem oberen Deck und waren äußerst komfortabel. Die Stewards  trugen Uniformen, es gab ein Restaurant und ein Raucherzimmer. Die Passagiere der dritten Klasse hingegen wurden in Kabinen über dem Laderaum im Heck untergebracht.

Im vorderen Bereich gab es zudem im Unterdeck Zellen für den Transport von Strafgefangenen. Die Postschiffe steuerten nicht nur die Inselhauptstädte an, es gab unterwegs weitere Anlegestellen. Da die Inseln sehr gebirgig sind und damals über kein hinreichend ausgebautes Wegenetz verfügten, war der Seeweg die einfachste Möglichkeit für den Transport von Waren. Auch hier wurde die Ladung durch kleinere Boote und Ladekräne gelöscht.

Das Be- und Entladen war nicht nur sehr mühsam, sondern aufgrund der Strömung und des Wellengangs vor den Küsten auch sehr gefährlich. Verfügten die Boote in den späteren Jahren über Motoren, musste in der Anfangszeit vom ankernden Postschiff bis zum Ufer gerudert werden. Sogar Passagiere gelangten mit den kleinen Barkassen in die Nähe ihres Reisezieles. Es gibt Aufzeichnungen darüber, wie eine schwedische Familie Ende der zwanziger Jahre am Strand von El Medano abgesetzt wurde und die Fahrt samt  umfangreichem Gepäck per Wagen und Kamel nach Granadilla fortsetzte.

Die Abreise von einer Insel war allerdings nur in der Hauptstadt möglich, da dafür ein Ticket erworben werden musste. Das machte oftmals eine mühsame Anreise auf dem Landweg dorthin erforderlich. Noch vor rund dreissig Jahren dauerte eine Autofahrt von Valle Gran Rey an der Westküste in La Gomeras Hauptstadt San Sebastían zwei Stunden. In den Jahrzehnten zuvor musste die rund 40 Kilometer lange Strecke per Esel oder zu Fuss zurückgelegt werden.

In der Regel legten die Schiffe gegen zwanzig Uhr ab und erreichten am nächsten Morgen gegen acht Uhr den Zielhafen. Bei kurzen Strecken wurden die Motoren gedrosselt, um nicht zu früh ans Ziel zu gelangen. Am späten Nachmittag begannen die Ladearbeiten. Am frühen Abend wurden die Passagiere an Bord gelassen, die zum Teil den ganzen Tag im Hafen darauf gewartet hatten. Insbesondere auf den beiden kleinsten Inseln war die Ankunft eines Postschiffes jedes Mal immer ein grosses Ereignis. Das verwundert nicht, steuerten doch die „La Palma“ und ihre Schwesterschiffe El Hierros Ost- und die Westküste nur jeweils zwei Mal im Monat an.

Komplizierte Nachnutzung
 
Das Ende des Postschiffzeitalters zeichnete sich bereits 1930 ab, als die ursprüngliche Betreibergesellschaft von der „Trasmediterránea“ übernommen wurden. Die Flotte wurde bald durch neue Schiffe erweitert, die sich nicht nur durch die weiße Rumpffarbe sondern auch durch eine moderne Technik von den alten, inzwischen  schwarz gestrichenen „Correillos“ unterschieden. Im Oktober 1958 wurde bei der „La Palma“ zwar  noch einmal der Motor nachgerüstet, um die Geschwindigkeit zu erhöhen, doch nach einem Brand im Hafen von Arrecife am 16 März 1976 wurde der Dampfer stillgelegt.

Während die Schwesternschiffe in der Folge abgewrackt wurden, fand sich für die „La Palma“ bald ein privater Investor, der den alten Dampfer gastronomisch und kulturell nutzen wollte. Die Launen des Amtsschimmels und politische Kompetenzstreitigkeiten waren die Ursache dafür, dass das Projekt drei Jahrzehnte lang auf Eis lag. Seit knapp zwei Jahren existiert ein mit öffentlichen Mitteln geförderte Stiftung, die das alte Postschiff als mobiles Museum betreiben will, um an die alte Seefahrtstradition zu erinnern, aber auch um über die ökologische Bedeutung des Atlantischen Ozeans zu informieren.

Derzeit befindet sich das Schiff im Trockendock, wo es restauriert wird. Dabei soll die ursprüngliche Maschine so weit wie möglich erhalten bleiben, aber modernen technischen, wirtschaftlichen und ökologischen Standards angepasst werden. Durch Umbaumassnahmen soll die Handhabung erleichtert und die Einhaltung der gesetzlichen Normen gewährleistet werden. Weitere Informationen unter:

Fundacíon Correíllo La Palma
Pabellón Santíago Martín Oficina 1.5,
C/ Las Mantecas s/n
38108 Los Majuelos (La Laguna)
Tel.: 922 843 451
www.coreillo lapalma.com