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Rätselhafte Inselwelt

Geheimisvolle Insel San Borondón

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13.05.2006 - Teneriffa - Es gibt Worte und Begriffe, die sich auf den Kanarischen Inseln überall wiederfinden, Eines davon ist „San Borondón". So heißen nicht nur Restaurants und Unternehmen, auch ein örtliches Mineralwasser und ein Radiosender wurden auf diesen Namen getauft.

Karte von San Borondón
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Karte von San Borondón
Hinter San Borondón verbirgt sich etwas Geheimnisvolles. Es es ist ein Synonym für das Land der Träume, einen Ort der nur von Auserwählten betreten werden darf. San Borondón ist unerklärlich und geheimnisvoll. Es verschwindet, wenn man sich ihm nähern will, nachdem man es in der Ferne erblickt hat. Es ist der Name einer rätselhaften Insel am Rande der kanarischen Gewässern, deren schemenhafte Existenz sich am Horizont erahnen lässt, wobei aber nicht klar ist, ob es sich um ein Eiland oder bloss um eine eigentümliche Wolkenformation handelt.
 
Die Insel wird deshalb auch „Non Trubada", die „Unerreichbare", genannt. Die mythische Bedeutung dieses Begriffes ist vermutlich der Grund dafür, dass sich eine Folkloregruppe „Non Trubada" nennt. Es ist allerdings nicht so, dass noch niemand die Insel San Borondón betreten hat.

Expeditionsteilnehmer mit Früchten
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Expeditionsteilnehmer mit Früchten
Die Insel ist 87 Leguas lang und 40 Leguas breit, wobei eine alte, Legua genannte spanische Meile 5,57 Kilometern entspricht, Auch über den Standort gibt es genaue Angaben. Die Insel liegt 100 Leguas südwestlich von La Palma und 40 Leguas nordwestlich von El Hierro. Sie hat eine eigenartige Geographie: In ihrer Mitte befindet sich eine Mulde, an deren Nord- und Südseite mächtige Gebirge aufragen, wobei das nördliche das höhere ist. 
 
Wundersame Flora und Fauna
 
Auf San Borondón existiert zudem eine wunderliche Tier- und Pflanzenwelt, Das alles ist bekannt, beruht dummerweise aber auf den Aussagen der Zeugen von Schiffsunglücken und Schiffbrüchigen und ist daher nicht unbedingt sonderlich glaubwürdig.
 
Allerdings reicht die Legende der mystischen Insel bis ins Altertum zurück, Der Begriff „Islae Afortunadas", „Glückliche Inseln", für die damals noch unbewohnten Kanaren stammt vom römischen Geschichtsschreiber Ptolemäus aus dem zweiten Jahrhundert nach Christus, In der Folge wurden in kanarischen Gewässern die sagenhaften Gärten des Hesperides und der legendäre Kontinent Atlantis angesiedelt.

Angeblicher Vulkankrater
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Angeblicher Vulkankrater
Der Name San Borondón leitet sich, so scheint es, von der keltischen Sage San Brandän ab, die zur Zeit der Christianisierung der britischen Inseln spielt. Der Einsiedler Barinthus erzählt seinem Vetter Brandän von einer mysteriösen Insel, die er zusammen mit dem Mönch Menoc entdeckt haben will. An diesem Ort, an dem die Heiligen nach dem Tod weiterleben, soll einst auch der biblische Adam gelebt haben. Brandän macht sich umgehend auf die Suche nach dem gelobten Land und bricht mit dem Boot „Trinidad", auf deutsch Dreifaltigkeit, zu einer siebenjährigen Irrfahrt auf. Er begegnet Dämonen, Pygmäen und gefährlichen Meerschlangen. Außerdem entdeckt er die Vulkaninseln, auf die Judas verbannt wurde und Riesenschafe und unheimliche Vögel leben. Das ersehnte Ziel erreicht er jedoch nicht. Die Sage ist ein Vorläufer der Legende von der Suche nach dem Heiligen Gral, die rund achthundert Jahre später niedergeschrieben wurde.
 
Erfolglose Expeditionen
 
Zwischen dem 15. Jahrhundert und dem Jahre 1732 gab es mindestens sieben erfolglose Expeditionen, San Borondón zu lokalisieren. Sogar in Büchern über die kanarische Geschichte ist die vergebliche Suche nach San Borondon vermerkt.
 
Die wohl spektakulärste Entdeckungsreise fand allerdings erst im 19. Jahrhundert statt. Dazu brach der britische Naturforscher Edward Harvey auf. Ihm wurde im Frühling diesen Jahres die Ausstellung „San Borondón, die entdeckte Insel" in der Kunsthalle „La Recova" in Santa Cruz gewidmet. Die Expedition war eigentlich ein aberwitziges Vorhaben, passte aber gut in die damalige, von phantastischen Geschichten und Pioniergeist geprägte Zeit. Die englischen Intellektuellen ersannen seinerzeit Schauergeschichten wie „Dracula" oder „Doktor Jekyll und Mister Hyde". Robert Stevenson schrieb „Die Schatzinsel". Stanley und Livingstone erkundeten den afrikanischen Dschungel rund um den Victoriasee und Rudyard Kipling begleitete die britischen Kolonialtruppen bei ihren Feldzügen über den Khyber-Pass.

Nachbildung des Flugsauriers
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Nachbildung des Flugsauriers "Regina Raptoris"
Die Archäologen aus dem United Kingdom buddelten längs des Nils nach den Schätzen der Pharaonen. Carter fand Tutench Amun. Auch in anderen Ländern waren Literaten und Forscher auf der Suche nach neuen Ufern. Jules Verne schrieb den Roman „20.000 Meilen unter dem Meer", Heinrich Schliemann grub die Ruinen von Troja aus und Karl May begab sich auf die Spuren der Indianer und Skipetaren ohne einen Fuss in die Länder gesetzt zu haben, in denen die Handlung seiner Erzählungen spielte. Vor diesem Hintergrund wirkt die Expedition Harveys nicht mehr ganz so abenteuerlich.
 
Als Achtzehnjähriger hatte Edward Harvey ein Botanik- und Mineralogiestudium begonnen, das von der „Roy-al Society" gefördert worden war. Kurz darauf, im Jahre 1859, bereiste er als Mitglied einer Expedition Afrika. Daraus entstand eine Abhandlung über die unbekannte Pflanzenwelt der afrikanischen Küste. Drei Jahre später führte ihn eine weitere, von der besagten britischen königlichen Gesellschaft finanzierte Forschungsreise nach Madeira, La Palma und Teneriffa, wo er eine große Vielfalt hinsichtlich der Flora und des Klimas feststellte.
 
Faszination Teneriffa
 
Auf Teneriffa hörte Harvey erstmals von San Borondón und war fasziniert. Nach Harveys Meinung musste die Insel existieren, da „Legenden immer auf etwas Wahrem basieren." Es hatte zuvor ja auch bereits zahlreiche Expeditionen gegeben und viele Menschen wollten die Insel gesehen haben. Harveys Plan war es, als Entdecker San  Borondóns in die Geschichtsbücher einzugehen. Er stürzte sich mit Feuereifer in dieses Projekt, verliess die „Royal Society", seinen bisherigen Förderer, und reiste nach Teneriffa. Nach Gesprächen mit militärischen und zivilen Behörden besorgte ihm schließlich der örtliche Repräsentant einer britischen Handelsgesellschaft ein Schiff. Anfang 1865 brach Harvey auf und will vom 14. bis zum 21. Januar San Borondön erforscht haben; seine Tagebuchaufzeichnungen und Fotografien sollten als Beweis der Untersuchungen dienen. 

Sah so das Großauge
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Sah so das Großauge "Oculimagnus Sanborondensis" aus?
Nach seiner Rückkehr nach London zog er sich zurück, um seine „großen Entdeckungen" aufzubereiten. Gesundheitlich stand es mit Edward Harvey allerdings nicht zum Besten. Er hatte sich auf seiner Afrika-Reise mit einem unbekannten Virus infiziert, der Halluzinationen und Fieberwahnanfälle hervorrief, Es gelang ihm nicht, die damalige Fachwelt von seinen Erkenntnissen zu überzeugen, Er verspielte schnell seine Reputation als Wissenschaftler und wurde von seinen Kollegen für verrückt erklärt, Edward Harvey starb vergessen im Jahre 1903. Ein Grund, warum ihm nicht viel Glauben geschenkt wurde, dürfte die Qualität seiner Fotografien gewesen sein. Bereits in den vierziger und fünfziger Jahren des 19, Jahrhundert waren Expeditionen fotografisch dokumentiert worden.

Im Vergleich mit den vorhandenen technischen Möglichkeiten war die Ausrüstung Harveys veraltet, Wie weit die Fotografien durch den Transport litten oder von den Expeditionsteilnehmern manipuliert wurden, ist nicht mehr feststellbar.

San Borondón hingegen blieb auch nach Harveys „Entdeckung" ein rätselhafter Ort, dessen magische Anziehungskraft nicht durch die Konfrontation mit der Realität entzaubert wurde, Es scheint eine sehr surreale Traumwelt zu sein, wenn man die Fotos und Zeichnungen von Harvey und f seinen Mitarbeitern betrachtet: Dort gibt es mächtige Vulkane, undurchdringliche Urwälder und turmhohe Wasserfälle. Die erstaunlichsten Tiere lebten hier: Der eidechsenähnliche „Draco Telli", das schildkrötenartige einheimische „Großauge", „Oculimagnus Sanborondensis", die Schnabelkröte „Coxabrevis lenta", der schnelle Vogel „Stokedenis Agilis" und der majestätische Flugsaurier Mutant „Regina Raptoris". Was für eine Insel!

Erst Steven Spielberg gelang es in seiner Spielfilmserie „Jurassic Park" vergleichbare Wesen zum Leben zu erwecken.