, style="mso-spacerun:, sans-serif", face="Verdana, Helvetica, Arial, durch, style="MARGIN:, none;, none"> teneriffa-panorama.es - Kanarische Inseln - Kämpfe um Weiden und Vieh
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Guanchen-Kriege

Kämpfe um Weiden und Vieh

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10.06.2006 - Teneriffa - Teneriffas Ureinwohner, die Guanchen, lebten in keiner idyllischen Welt, auch wenn sie häufig als edle Wilde verklärt werden. Sie waren kein friedliches Volk, sondern ständig in Scharmützel und kriegerische Auseinandersetzungen untereinander verwickelt. Der Überlebenskampf war ihr Lebensinhalt und prägte ihre Gesellschaftsstruktur.

Der Steinwurf war eine Kampftechnik
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Der Steinwurf war eine Kampftechnik

Dabei bildeten sich mit der Zeit sogar Rituale zur Vermeidung von Kampfhandlungen heraus, da zu lange Kriege eine Gefahr für das Überleben aller beteiligten Parteien darstellten.
 
Der Ursprung der archaischen Gesellschaftsformen auf Teneriffa reicht bis in das vierte Jahrhundert nach Christus zurück. Mit dem Zerfall der römischen Herrschaft über Südwesteuropa und Afrika gerieten die sieben Inseln vor der Nordafrikanischen Küste in Vergessenheit. Eine eigene Binnenkultur bildete sich heraus. Neun „Menceycato“ genannte Stammesgebiete entstanden allein auf Teneriffa.
 
Der Legende nach hatte sich die Bevölkerung im Laufe der Jahrhunderte so stark vermehrt, dass der Stammesführer von Adeje die Insel unter seinen Söhnen aufteilte. Die Namen der einzelnen Guanchen-Reiche finden sich in heutigen Orts- und Regionsnamen wieder.
 
Da die Ureinwohner bis zur Eroberung Teneriffas durch die Spanier im Jahre 1496 hauptsächlich von der Viehzucht lebten, waren Konflikte vorprogrammiert. Das lag daran, dass die Vegetation der Insel sehr unterschiedlich ist. Es ist kaum verwunderlich, dass der mächtigste Fürst in Taoro lebte, dem Gebiet, dessen Mittelpunkt das fruchtbare, landschaftlich reizvolle Orotava-Tal bildete.
 
Interessanterweise zog es später auch die Naturforscher des 19. Jahrhunderts als Vorboten des heutigen Massentourismus dorthin. Durch die häufigen Kämpfe untereinander bildete sich bei den Guanchen eine hierachische Sozialstruktur heraus.
 
Die Oberschicht eines Stammes bildete der Adel. Mit anderen Worten: Die Krieger. Der adelige Nachwuchs wurde in diese Kaste aufgenommen, wenn er das heiratsfähige Alter erreicht hatte. fähige Alter erreicht hatte. Zuvor war er in den Werten und Normen unterwiesen worden, die bereits seit vielen Generationen das Leben seines Volkes bestimmten.
 
Ein tüchtiger Kämpfer zeichnete sich durch Mut, Kraft und Stärke, aber auch durch taktische Intelligenz und Geschicklichkeit aus. So trainierte er zum Beispiel das Schleudern von schweren Felsbrocken und absolvierte Mutproben, die seinen Tod bedeuten konnten. Dazu zählte unter anderem der Raub von Vieh auf dem  Hoheitsgebiet anderer Stämme.
 
An der Spitze eines Guanchenvolkes stand der  „Mencey“. Er führte als Zeichen seiner Würde einen langen Stab, den Añepa, mit sich, nach dem noch heute Gaststätten benannt sind.
 
Seine herausragende Stellung, die auf die nachfolgende Generation seiner Sippe überging, wurde durch verschiedene Formen der Ehrerbietung manifestiert: Zog der Stammesführer in eine neue Unterkunft, trug er auf dem Marsch dorthin einen langen Holzspeer vor der Brust und wurde von den Stammesältesten begleitet. 


Stöcke und Steine waren die bevorzugten Waffen
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Stöcke und Steine waren die bevorzugten Waffen

 

Die Frauen kümmern sich um die Verletzten
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Die Frauen kümmern sich um die Verletzten

Das soziale Gefüge eines Menceycates liess sich sogar am „Habitat“,  der Anordnung der Höhlen und Stein-hütten ablesen.  Ganz oben in der in der Regel an einem Abhang gelegenen Siedlung residierten der Mencey und seine Sippe sowie der Adel.  Unterhalb davon wohnten die Waffenträger, am Fusse das einfache Volk. 
 
Damit die Hierachie gewahrt blieb und stammesinterne Probleme vermieden wurden, durfte kein Krieger eine Frau ansprechen, die ihm zufällig begegnete, außer sie sprach ihn an oder bat ihn um etwas. Ein Verstoss gegen diese Regel zog die Todestrafe nach sich. 
 
Die Kinder der Kriegerkaste wurden von frühster Jugend an auf ihr späteres Dasein als Kämpfer vorbereitet. In spielerischer Weise wurden ihnen entsprechende Verhaltensweisen antrainiert. So mussten bereits die Jüngsten Bälle fangen, die aus Erde geformt waren oder ihnen ausweichen. 
 
Es folgten Übungen im treffgenauen Steinwurf; später zielgenaues Speerwerfen, bei dem reale Kampfsituationen nachgestellt wurden. Im Gegensatz zu höher entwickelten Völkern hatten die Kriege der Guanchen nicht die Vernichtung des Gegners oder seine Gefangennahme zum Ziel. 
 
Die Alten, Kinder und Frauen konnten daher  nach Ende der Kampfhandlungen
wieder in ihre Häuser zurückgehen. Die gegnerischen Parteien betrachteten sich trotz des Konfliktes aufgrund der gemeinsamen Sprache und Kultur als Angehörige eines Volkes.


 
Kriege wurden durch den Diebstahl von Vieh ausgelöst, doch auch um Weideplätze und politische Vormachtstellungen wurde gekämpft. Die Ressourcen waren knapp. Oftmals bildeten sich Allianzen, zumeist zwischen benachbarten Sippen. Die Kämpfe und Bündnisse endeten, sobald das Kriegsziel erreicht war. 
 
Eine dauernde Kriegsbereitschaft der Guanchen war schon aus geografischen Gründen nur schwer möglich. Die Hirten liessen ihr Vieh auf weit auseinanderliegenden Wiesen in einem schwer zugänglichen gebirgigen Gelände weiden. Sie mussten häufig lange Stöcke zur Bewältigung von Hindernissen einsetzen, wobei sie Techniken entwickelten, aus denen der heutige Traditionssport „Hirtensprung“ hervorging. 
 
Mangels geeigneter Kommunikationsmittel konnten die Kampfverbände nur durch Pfeif- und Rauchsignale zusammengetrommelt werden, was sehr langwierig war. 
 
Da sich ein längerer Kriegszustand schädlich auf die Lebensgrundlage aller beteiligten Parteien auswirkte, passierte es nicht selten, in dem ein Konflikt dadurch gelöst wurde, dass die stärksten Männer der verfeindeten Sippen gegeneinander antraten. 
 
In der Regel endeten diese Duelle mit dem Tod des Unterlegenen; der Sieger diktierte die Bedingungen. Wie bei den antiken Griechen unterbrachen auch bei den Guanchen die höchsten Feste den Krieg. So war es möglich, dass die Kämpfer am Erntefest „Benjesmen“ oder anderen wichtigen Feiertagen Feindesland gefahrlos durchqueren konnten.


 

Wie in den meisten Kulturen war der Waffengang auch bei Teneriffas Ureinwohnern  eine Domäne der Männer. Die Aufgabe der Frauen hingegen bestand darin, Wunden zu behandeln und die Gefallenen zu bestatten. Das war nicht selten der Fall. 
 
Die Untersuchung von Funden  und Knochenresten im Süden der Insel hat ergeben, dass rund ein Fünftel der Bevölkerung Verletzungen aufwies, die durch Gewalteinwirkung hervorgerufen worden waren. 90 Prozent davon waren nicht tödlich, doch oftmals wäre das Opfer ohne die Versorgung
durch andere Mitglieder der Gruppe an seinen Verwundungen gestorben.
 
Zur Behandlung von Kriegsverletzungen kannten die Ureinwohner verschiedene Methoden. So öffneten sie Wunden, brannten sie aus und liessen sie verschorfen. Arm- und Beinbrüche wurden geschient. 
 
Ging es den Guanchen bei ihren Kriegen um die Lösung lokaler Konflikte, so hatten die spanischen Eroberer viel weitreichendere Ziele. Beteten die Ureinwohner Naturphänomene an, wähnten die Konquistadoren Gott auf ihrer Seite. Sie schickten nicht
nur Missionare als geistliche Vorhut auf die „Glücklichen Inseln“, um Zwietracht unter den Einheimischen zu säen; der Papst erhob den Kanarenfeldzug sogar in Rang eines Kreuzzuges.
 
Während sich die meisten Stämme auf den anderen Inseln friedlich ergaben, schlossen sich Teneriffas Stämme zur Abwehr der Bedrohung von aussen erstmals zusammen und brachten den Spaniern sogar eine Niederlage bei. Genützt hat es ihnen nichts, die Anführer des Aufstandes wurden gefangen genommen und starben fern der Heimat in den Gefängnissen des Feindes.