Teneriffa      La Palma      La Gomera      El Hierro


Forschungsreisen vor 140 Jahren

Kanarische Reisebilder

Puerto de la Cruz im 19. Jahrhundert
© tfpelmarw
Vergrößern
Puerto de la Cruz im 19. Jahrhundert
16.12.2006 - Teneriffa - Im 19. Jahrhundert waren die Kanarischen Inseln ein beliebtes Ziel für naturwissenschaftliche Stu-dienreisen. Nicht nur Alexander von Humboldt zog es hier her, auch den Geologen Karl von Fritsch. Der Naturforscher wurde vor gut hundertdreisssig Jahren durch die Erstellung einer exakten geologischen Karte des Gotthardmassivs berühmt.

Buchtitel
 © tfpelmarw
Vergrößern
Buchtitel
Seine Arbeit „Das Gotthardgebiet”, legte die Grundlagen für die später erfolgte Durchbohrung. Kurz darauf wurde er zum Professor an der Universität Halle ernannt. Die atlantische Studienreise, die Karl von Fritsch nach Madeira und auf die Kanarischen Inseln führte, fand nach Abschluss seiner Doktorarbeit in Göttingen im Jahre 1862 statt.
 
Die gesammelten Erkenntnisse der Forschungsreise legte von Fritsch in dem Buch “Reisebilder der Canarischen Inseln” vor, das erstmals im Jahre 1867 in Gotha erschien. Dabei wurde der Begriff “Reisebilder“ den zuvor erschienenen Büchern Heinrich Heines entlehnt, zu denen unter anderem das 1824 erschienene Werk “Die Harzreise” gehört.
 
Jetzt wurden die Reisebeschreibungen des norddeutschen Naturforschers  von den Kanarischen Inseln nach-gedruckt. Dem  Originaltext wurde eine spanische Übersetzung gegenübergestellt. Für den deutschen Leser macht bei der Lektüre vor allem die heute altertümlich wirkende Diktion des Originaltextes und die Verblüffung des Autors bei der Beschreibung seiner Exkursionen, aber auch bei der Darstellung von Land und Leuten den besonderen Reiz aus.
 
Dabei spielten die Kanarischen Inseln, der spätere Gegenstand des Buches in den ursprünglichen Planungen nur eine Nebenrolle. Das eigentliche Reiseziel waren die Kapverdischen Inseln. Auf Madeira und den Kanaren sollten nur Zwischenstopps eingelegt werden, theils damit wir dem Klima der Capverden besser trotzen können, theils um auf diesen bekannteren Inselgruppen praktische Vorstudien mit den vorher-gegangenen theorethischen zu verbinden.” 

Santa Cruz vor mehr als hundert Jahren
 © tfpelmarw
Vergrößern
Santa Cruz vor mehr als hundert Jahren
Durch einen dummen Zufall gelangte von Fritsch nicht in sein eigentliches Studiengebiet, denn das Gelbe Fieber, welches im Oktober 1862 in Santa Cruz de Tenerife ausbrach, hielt uns aber den Winter über auf den Canaren fest und das Reiseziel, die Capverden wurden nicht erreicht.” 
 
Das machte aber auch nichts weiter, denn der Naturforscher widmete sich jetzt eingehend den Kanarischen Inseln. Nach einer dreis-sigstündigen Überfahrt erreichte er Anfang September 1862, von Madeira kommend, Teneriifa, wobei er schon lange vor Ankunft den majestätischen Pico de Teyde sich in der klaren Äther der Höhe erheben sah. Auch ein Walfisch hatte sich in der Nähe des Schiffes blicken lassen.  
 
Im Vergleich zu Madeiras Hauptstadt Funchal waren Santa Cruz de Tenerife`s öffentliche Spaziergänge und Gärten mit weniger Kunst und Geschmack angelegt als die in Funchal. Trotzdem fühlt man sich hier mehr wie in einer Europäischen Stadt. Wohlthtätig kontrastirt mit dem lärmenden und bettelhaften Wesen der Madeirenser  der ernstere Char-akter der Canarienser, welche meist ruhig und gemessen, daher würdig erscheinen und den Fremden selten um Geld, bisweilen aber wohl um etwas Tabak ansprechen.  
 
Im Vergleich zu heute war Teneriffa sehr abgelegen. Nach Gran Canaria fuhren zwei bis drei Schiffe in der Woche, nach La Gomera und El Hierro sowie nach  Cadíz zweimal im Monat. Nach La Orotava und La Laguna fuhr der Omnibus, dessen Kutscher mit stetem Zuruf jedes einzelne der fünf Maultiere antrieb.  
 
Von La Laguna war von Fritsch enttäuscht, denn die ehemalige Hauptstadt war inzwischen ein todter Ort, dessen grosse Häuser halb leer stehen. Auch die sonst hier vorhandene Universität hat einer niederen Schule (secunda enseñanza) Platz gemacht. La Orotava hingegen mit seinem vorgelagerten Hafen, dem heutigen Puerto de la Cruz, die Hauptstadt der Nordseite von Tenerife und besonders dieser Thallandschaft, ist durch seine schöne und gesunde Lage, durch seine freundliche Umgebung der Lieblingsaufenthalt der unabhängigen und wohlhabenden Bevölkerung Tenerife´s. Hier findet auch die Gartenkunst eine dankbarere Stätte als in Santa Cruz. Bereits damals existierte eine Rivalität der Hauptstädte von Teneriffa und Gran Canaria, die beide etwas mehr als 14.000 Einwohner zählten. Dabei hatte Las Palmas die Nase vorn, denn die reichen Grundbesitzer und Kaufleute sind bereit, für ihre Insel und Stadt Opfer zu bringen. So wurden nicht nur die Kunststrassen schneller gebaut, 1862 fand hier auch die erste Industrie- und Produkten-Ausstellung des Archipels statt. 
 
Mehr über die Situation auf allen sieben Inseln im Jahre 1862 in deutscher und spanischer Sprache finden Sie in dem Buch:
 
K. von Fritsch “Cuadros de viaje”
Centro de la Cultura Popular Canaria
Calle Candelaria /Daute
38203 La Laguna
Tel.: 922 82 78 00 / 20 00
www.centropopular.com