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Vor fast hundert Jahren: Die Kanaren im Film

Grosses Kino alten Stils

Heim-Kino Anno 1915
© tenpan
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Heim-Kino Anno 1915
19.02.2010 - Teneriffa - Die Bilder haben etwas Chaplinesekes. Die Kameraführung ist ein wenig ruckartig, die Bewegungen der Akteure etwas abgehackt. Die Handlung? Alles dreht sich um ein Familienfest. Aber die Aufnahmen der Feier am Stadtstrand Las Canteras in Las Palmas im Jahre 1915 auf zwei kürzlich entdeckten Filmrollen sind die ältesten Zelluloid-Dokumente der Kanarischen Inseln.

Heim-Kino Anno 1915
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Heim-Kino Anno 1915
Im Nachhinein fragt man sich sogar, warum die neusten Prunkstücke der Filmoteca Canaria nicht eher entdeckt wurden.
 
Immerhin stammen sie aus dem Besitz von Gustavo Navarro Nieto, dem einstigen Präsidenten des Club Náutico de Las Palmas und Gründer von “La Provincia”, der wohl wichtigsten kanarischen Tageszeitung.
 
Drehort war das alte Seebad an der Playa de Las Canteras. Dort steht inzwischen das Hotel Reina Isabel.
 
Die von der Filmoteca Española restaurierten  und digitalisierten Aufnahmen wurden im 28-Millimeter-Format gedreht, einem 1910 von der Firma Pathé Fréres in París entwickelten Wiedergabeverfahren für das Heimkino, bei dem im Gegensatz zum nitrathaltigen Spielfilmformat kein brennbares Material verwendet wurde. 
 
Vergessenes Filmformat 
 
Ab 1911 wurden Sets mit Projektor, zwei Rollen 28 mm Film, Leinwand und Reinigungsmittel zum Preis von 15 englischen Pfund Sterling vertrieben. 

Heim-Kino Anno 1915
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Heim-Kino Anno 1915
Mit der 1912 in den Markt eingeführten Kamera - ein Stativ war dabei – konnten auch Amateure erstmals eigene Filme drehen.
 
Zum Entwickeln mussten abgedrehte Werke an das inzwischen gegründete Unternehmen Pathéscope eingeschickt werden.
 
Im lederumfassten Holzkasten der Kamera wurde der gerollte Filmstreifen per Handkurbel vorwärtsbewegt.
 
Dabei enthielt das belichtete Material im Gegensatz zum späteren Projektionsstreifen auch Nitrat.
 
Im 1913 wurde die 28 mm-Ausrüstrungen bereits weltweit verwendet.
 
Nicht nur bei Privatleuten, auch in Schulen, Kirchen und Vereine erschallte das Kommando "Kamara läuft".  
 
Bis 1918 wurden mehr als 10.000 Apparate verkauft. Anfang der zwanziger Jahre wurde die 28 mm-Produktrion eingestellt.
 
Die Herstellerfirma, die aufgrund des ersten Weltkriegs in die USA und nach Kanada übergesiedelt war, brachte ab 1922 das Produkt “Pathé Baby” auf den Markt. 
 
Der 9,5 Millimeter breite Schmalfilm enthielt nur ein zentriertes Perforationsloch zwischen zwei Bildern zum Weitertransport des Streifens in der Kamara.
 
Beim 28 Millimeterfilm hingegen wurde das Bild mit insgesamt vier, rechts und links des Fotorahmens angeordneten Perforationen im Kamaragehäuse vorwärts gekurbelt.