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Teneriffas Kabarett-Stars

CLOWNBARET

Jango Edwards und Peter Ercolano während des Auftritts
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Jango Edwards und Peter Ercolano während des Auftritts
25.01.2007 - Teneriffa - "Bar“ ist ein Humorist. Er steht in einem schwarzem Frack im roten Scheinwerferlicht und hält ein Monolog darüber, warum der Tag, an dem er geboren wurde so unheimlich wichtig war. Dummerweise wird er dabei immer wieder von „Et“ gestört, einem fiesen Faxenmacher mit Zahnlücke und schwarzer Joppe, der ihn unterbricht und aus dem Konzept bringt.

Kabarettgruppe CLOWNBARETT
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Kabarettgruppe CLOWNBARETT
Kurz darauf kommt dann noch „Clown“ dazu, ein Spassmacher mit roter Pappnase, zu weiter grüner Hose und riesigen schwarzen Schuhen, der das Chaos auf der Bühne noch vergrößert.
 
Die Szene ist der Prolog zu der surrealistisch angehauchten Humoreske „El dia que yo nací“, auf deutsch: „Der Tag, an dem ich geboren wurde“. Es ist eine Reise durch das Leben, in der die wichtigsten Stationen wie Taufe, Geburtstag und Hochzeit in einer turbulenten Mischung aus Theater, Liedern und Pantomime, Tanz und Tortenschlachten abgehakt werden. 
 
Zwischen und während der Szenen marschiert, immer der weiß gekleidete Tod durch die Zuschauereihen hindurch auf die Bühne. Er zieht dabei an einer langen Kette eine schwarze Metallkugel hinter sich her.
 
Den drei Akteuren jagt er dabei immer einen Schrecken ein und versinnbildlicht dabei die Frage: Wäre das Leben auch dann noch so schön, wenn es nicht so kurz wäre. Natürlich holt der Sensenmann auch die drei Darsteller am Ende ein. Während sie auf dem Boden liegen und über das hinter ihnen liegende Leben philosophieren, werden von der Decke an den Griffen aufgehängte geöffnete Regenschirme herabgelassen.

Jango Edwards während des Auftritts
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Jango Edwards während des Auftritts
Das Stück ist eine Variation auf das im Zirkus anzutreffende Clown-Schema. Dort gibt es den „Blanco“, den „Vernünftigen“ mit der spitzen Mütze, den „payaso“, den dummen August mit der roten Nase und den „contra-payaso“.
 
Das ist der Dümmste des Trios, der von den anderen beiden immer geärgert wird. Autor Brian Rodríguez hat das Schema variiert. Der „blanco“ ist bei ihm der erfolglose Humorist, „clown“ ist der Dumme August. Der Dritte im Bunde ist der „buffon“, der zynische, vom Leben enttäuschte Clown, der sich mit bösartigern Scherzen an seinen Mitmenschen rächen will.
 
Diese Grundkonstellation hatte Rodríguez im Kopf als er vor sechs Jahren sein erstes Stück verfasste. Es hiess „Eines Samstagmorgens im Jahre 1987“ und nahm die Kultur des besagten Jahres aufs Korn, persiflierte Pop-Songs und Fernsehserien dieser Epoche sowie die  „movida“, die kulturelle Bewegung nach der Franco-Ära, der von den Filmen Almodovars bis zum simplen Schlager alles entsprang, das die spanische Alltagskultur bis heute prägt.

Jango Edwards während des Auftritts
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Jango Edwards während des Auftritts
Das Programm sollte keine  Nummerrevue sein, sondern einen durchgängigen roten Faden haben, Elemente des Kabaretts und Slapstick-Einlagen enthalten; ein bunter Mix aus Mimik, Gestik, dem Klang von Stimmen und spitzem Wortwitz.
 
Ausdrucksformen, die sich nach Meinung des Autors bestens ergänzen, denn „weder zwischen dem Clown und dem Publukum noch zwischen dem Kabarettisten und den Zuschauern gibt es eine Mauer.
 
Beide müssen immer hundert Prozent konzentriert sein und auf das Publikum eingehen. Um das von vornherein zu verdeutlichen, wurde das Ensemble „Clownbaret“ getauft, wobei Brian und seine beiden Mitstreiterinnen Marta und Guaci ihre Bühnennamen den einzelnen Silben des Ensemblenamens entlehnten.

Clown-Workshop mit Jango Edwards
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Clown-Workshop mit Jango Edwards
Als Schauplatz hatte der Darsteller des fiesen „Et“ immer die Bühne der kleinen Kneipe „Bluesbar“ in La Laguna im Kopf, wo das Stück nach zwei Monaten Probe auch uraufgeführt wurde.
 
Es wurde ein großer Erfolg und das „Publikum reagierte sogar auf Sachen, bei denen wir das nie gedacht hätten“. War das erste Stück eher auf den schnellen Lacher aus, sollte das zweite Stück „El dia que yo nací“ tiefgründiger angelegt werden.
 
Es enstand während des Engagements von Brian bei der mehrmonatigen Kulturshow „Forum 2004“ in Barcelona. Brian war als einer von zwanzig Akteuren aus 120 Bewerbern für die „Fools Militia“ ausgewählt worden, die später sogar nach Italien und Paris eingeladen werden sollten.

Clown-Workshop mit Jango Edwards
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Clown-Workshop mit Jango Edwards
Die „Narren-Miliz“ war unter der Leitung von Jango Edwards dafür zuständig, im Rahmen von Happening-Aktionen auf dem Veranstaltungsgelände der hohen Kultur den repektvollen Ernst zu nehmen.
 
Außerdem bestritt sie ein „Air Orchestra“ genanntes rund einstündiges Programm, in dem der Konzertbetrieb in der E- und U-Musik aufs Korn genommen wurde. Bald darauf entstand die Idee, ein eigenes Festival in Brians Heimatstadt La Laguna auf die Beine zustellen, das im diesen Sommer auch stattfand.
 
Mehr als zwanzig lokale und internationale Künstler und Gruppen traten auf Straßen und Plätzen, in Kneipen und Theathersälen auf. Der italienische „Mister Bean“-Parodist Arnoldo Mangini war genauso dabei wie fantastische „Vicky Soise“, die unbedingt mit Plateausohlen Seil tanzen wollte.

Clown-Workshop mit Jango Edwards
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Clown-Workshop mit Jango Edwards
Das surrealistische Clowntheater La Banda zeigte, wie es ist, als „unsichtbarer Mensch unter anderen unsichtbaren Menschen“ zu leben. Natürlich gab es auch Märchenerzähler für Kinder.
 
Auch Jango Edwards und sein Partner und Peter Ercolano waren dabei und zeigten im Saal der I.E.S. La Laboral einen rund zweistündigen Ausschnitt aus ihrem Repertoire von 21 Stunden.
 
Im Rahmenprogramm gab Edwards während eine Workshops einen Einblick in seine Philosophie. Jango Edwards ist  seit mehr als drei Jahrzehnten der Komikszene ein Begriff ist und brachte schon die Rolling Stones und Salvador Dali zum Lachen.
 
Einst schuf er den sogenannten „neuen Clown“ und brachte eine Mischung aus Charlie Chaplin, dem Kultfilm „Harold and Maude“ und der „Rocky Horror Picture Show“ auf die Bühne.

Jango Edwards und Peter Ercolano während des Auftritts
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Jango Edwards und Peter Ercolano während des Auftritts
„Um Clown zu werden, musst Du das Kind in der wieder entdecken“, sagt er zu Beginn der Veranstaltung, nach dem unter den Zuschauern saure Fischstücke verteilt hat wie ein Pfarrer seine Hostien.
 
Die Unterrichtsstunde hat in der Tat ein gewisses religiöses Flair, denn als zweite Amtshandlung pappte Edwards seinen Zuschauern eine Spielkarte „zur Bestimmung  deiner Rolle in der Clown-Community“  an die Stirn.
 
Was man als Kreuzkönig dort soll, erklärte er dann aber doch nicht. Dafür seine Philosophie: „Bei der Geburt ist der Mensch fertig. Dann beginnt er langsam zu sterben.
 
Wird eingrenzt durch immer mehr Normen und Regeln. Das fängt schon beim Personalausweis“, sagt der  Berufs-Clown und unterstreicht die Bedeutung seiner Worte gestenreich und durch wohl gesetzte Pausen.

Clown-Workshop mit Jango Edwards
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Clown-Workshop mit Jango Edwards
„Ein Clown ist ein Anarchist, allerdings ein Anarchist mit Disziplin. Um Clown zu werden musst Du deine Ängste abbauen, das Kind in Dir selber entdecken. Du musst deine Vor- und Nachtteile kennen und sie akzeptieren.
 
Wissen wer Du wirklich bist und alles vergessen, was Dir im Leben beigebracht wurde,“ sagt der Endfünfziger aus den Vereinigten Staaten und erzählt eigentlich auch nichts anderes  als einst die  Hippies.
 
Zugegeben, vor dreissig Jahren, waren die bewussten Tabubrüche insbesondere zum Thema Sex von Jango  Edwards wirklich provokativ. Inzwischen hat man sich daran gewöhnt.

Clown-Workshop mit Jango Edwards
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Clown-Workshop mit Jango Edwards
Doch nicht nur Klappern gehört zum Handwerk eines Clowns. Auch hartes Training steckt dahinter. „Alles was ich über Clowns weiss, kann ich Euch in einer Viertelstunde erzählen.
 
Dann wisst ihr worauf es ankommt. Clown sein ist eine Einstellung. Jonglieren, Grimasen schneiden . . . das könnt ihr in einem Buch nachlesen und selber üben,“ sagt er um wieder zu unterstreichen, dass Clown kein Beruf, sondern eine Haltung ist.
 
Immer wieder bricht Edwards spontan aus seiner Dozentenrolle aus läuft auf Zuhörer zu, setzt sich bei Frauen ungefragt auf den Schoss.

Clown-Workshop mit Jango Edwards
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Clown-Workshop mit Jango Edwards
Es sind nicht nur Überraschungsmomente, es sind einstudierte Elemente aus seiner Show, die er auch bei seinem Auftritt am Abend zeigen wird.
 
Auch wenn der Clown im Prinzip ein Anarchist ist, gelten für ihn bestimmte Regeln. Er ist nie parteiisch, wie oft die  Kabarettisten. Er will die Leute zum Lachen bringen, in dem sie sich in ihm selber mit all ihren Schwächen wiedererkennen.
 
Es geht nicht darum, Gesetze zu brechen, sondern darum an ihre Grenzen zu gehen. Ganz besonders wichtig ist der Kontakt zum Publikum. So werden einzelne Zuschauer in der Show ausgewählt und auf ihre Kosten Schabernack getrieben.

Jango Edwards während des Auftritts
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Jango Edwards während des Auftritts
Trotzdem haben sie hinterher nicht das Gefühl, dass sie lächerlich gemacht wurden, denn „ein Clown spielt nicht für sich selbst, er darf das Publikum nicht fallen lassen, er muss wissen, wie weit er gehen darf.“
 
Vor  allem muss ein Clown  auf die Erwartungen des Publikums eingehen, weiss Jango Edwards: „Ich habe vor Mongoliden gespielt, und sie zum Lachen gebracht, in dem ich   eine Dreiviertelstunde lang vergeblich versucht habe, durch eine Tür einen Raum zu betreten. 
 
Ich habe bei drogenabhängigen Methadon-Patienten Entzugserscheinungen persifliert und reiche Leute haben mir 20.000 Dollar gezahlt, nur damit ich ihr Wohnzimmer demoliere.“

Peter Ercolano während des Auftritts
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Peter Ercolano während des Auftritts
Wie so oft im Leben kommt es beim Clown nicht auf das „was“ sondern auf das „wie“ an. Ein Urheberrecht für Faxen gibt es nicht. Ein Spassmacher klaut beim anderen.
 
Das weiss und macht auch Jango Edwards: „ Es ist alles schon einmal da gewesen. Die Art, wie man etwas präsentiert ist das Eigene.“
 
So hat er auch das Tippen ohne Schreibmaschine zur klassischen Musik im Repertoire, eine Nummer, mit der auch der Deutsche Otto Waalkes seit über drei Jahrzehnten Erfolg hat.  
 
Die Mittel eines Clowns sind simpel, manchmal auch ordinär: „Rülpsen, Furzen, Sex, Nacktheit“, egal was Du machst, die Botschaft muss intelligent verpackt werden“, pflichtet  Peter Ercolano, der Bühnenpartner von Edwards bei.

Jango Edwards während des Auftritts
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Jango Edwards während des Auftritts
Wie auch immer. Eine Viertelstunde zu versuchen, vergeblich zu versuchen, eine Chipstüte zu öffnen, ohne die Zuschauer zu langweilen, da gehört schon einiges zu. Die Kreativität des Clowns liegt in seiner Fähigkeit zur Assossiation, in der Zusammenführung von Dingen, die eigentlich nicht zusammengehören.
 
Beispielsweise dann, wenn die einzelnen Lettern des Wortes „socialismo“ zu Anfangs-buchstaben der Wörter  und neuer Sätze werden. Etwas aus dem Bestandteil „cia“ in einem rasant vorgetragenen Tempo „I see . . ., I see all.“ wird. Auch die Untermalung von Liedern durch bezeichnende Gesten ist eine Technik. 
 
Dazu wurde  passenderweise das Lied mit dem bezeichnenden Titel „Time To Smile” von Tony Bennett ausgewählt.

Peter Ercolano während des Auftritts
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Peter Ercolano während des Auftritts
Überhaupt ist das Visuelle bei Jango Edwards wichtig, das gesprochene Wort wird auf das Notwendigste reduziert. Er ist 10 Monate im Jahr auf Tournee, oftmals in Ländern, deren Sprache er nicht oder kaum spricht.
 
Darum gilt für ihn die Devise: “I don´t play where people speak english, they don´t understand me.” Der Auftritt beim “Clownbaret”-Festival war für Edwards die Premiere auf Teneriffa.
 
Es war allerdings nicht das letzte Mal, denn im nächsten Jahr wird es wieder ein “Clownbaret-Festival” geben. Es ist sogar geplant, andere Inseln in das Projekt miteinzubeziehen.
 
Auch das namensgebende Ensemble hat weitreichende Pläne. So sollen zwei neue Programme entstehen. Eines  davon soll nach dem klas-sischen Schema “blanco-payaso-contrapayaso” konzipiert werden und auf Dialoge weitestgehend verzichten, um auch vor einem nicht spanisch sprechenden Publikum auftreten zu können. 
 
Das andere ist ein Stück für Kinder. Dabei ist die Einbeziehung der Zuschauer noch wichtiger, weiss Brian Rodríguez: “Kinder reagieren immer, wenn Schauspieler etwas falsch machen. Zum Beispiel,  wenn ich versuche, ein Taschentuch in die Jackentasche zu stecken und es nicht schaffe.” Doch auch die bisheigen Aufführungen wer-den weiterhin aufgeführt.