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Autopsie als Kultur-Happening

Alien mit Aroma

Das Ende des Alien: Aufgeschnitten und ausgenommen
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Das Ende des Alien: Aufgeschnitten und ausgenommen
29.09.2009 - Teneriffa - Ausserirdische sind sehr lecker, aber auch äusserst kalorienreich. Werden sie seziert und als Appetithappen serviert, so schmecken ihre Innereien nach zuckersüssen Mandeln und sahnigem Schokoladenschmelz. Diese Erfahrung machten zumindest die Teilnehmer einer Alien-Autopsie im Hotel “Panoramic Garden”, bei der ein giftgrüner Erdfremdling in seine Bestandteile zerlegt wurde.

Der Kopf wurde durchgetrennt
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Der Kopf wurde durchgetrennt
Der Beherbergungsbetrieb in Los Realejos, wo die imposante, an den Swimmingpool grenzende Wendeltreppe im Aussenbereich als zentraler Blickfang  hervorsticht, erscheint auf den ersten Blick als eher ungewöhnlicher Ort für forensiche Prozeduren und Arbeitsabläufe; ein Ambiente, das  hinsichtlich der geballten Innovationskraft der durchzuführenden Zeremonie ein eher klassisches denn futuristisches Flair ausstrahlt.
 
Das zum Labor umfunktionierte  Hotelzimmer versprühte denn auch die Kargheit eines Hospitals für Kassenpatienten. Das ätherische Blau, das den Erfolg von TV-Serien wie “C.S.I.”  ausmacht, in denen Forsensikexperten Leichen in stilvoller Umgebung kunstgerecht zerschnippeln, fehlte  völlig. 

Präzise Schnitte
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Präzise Schnitte
Aus den Lautsprechern dröhnten folglich auch nicht die verzerrten Gitarren von “The Who”, sondern rieselten sphärische Elektronik-Klänge, um das bahnbrechende transzedentale Ritual atmosphärisch-stimmungsvoll zu untermalen.
 
Vor dem Operationstisch, auf dem der mit gut einem Meter und fünfzig Meter eher kleine, aber leider vorzeitig verblichene “extraterrestre”  (E.T.) lag, befand sich ein Fernsehbildschirm; eine Art elektronischer Spickzettel, über dessen Mattscheibe ein Sciene-Fiction-Film aus den fünfziger Jahren flimmerte. Natürlich in Schwarzweiss.
 
Die hektischen Szenen des zweitklassigen Streifens sollten dem Autopsie-Team vermutlich als Hilfsmittel dienen.
 
Allzu viele Dokumente über den kompetenten Umgang mit Ausserirdischen, und dazu noch verstorbenen, gibt es auf dem Planeten Erde ja bisher bedauerlicherweise nicht.

Wissenschaftliche Sorgfalt ist gefordert
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Wissenschaftliche Sorgfalt ist gefordert
Zur Beseitigung dieses eklantanten Missstands umschwirrten daher auch ein Fotograf und ein Kameramann
die beiden Forensik-Experten, um alle Details des geschichtsträchtigen medizinischen Eingriffs in Grossaufnahme für künftige Generationen in Bild und Ton festzuhalten.
 
Natürlich hatten sich Ärzte und Dokumentatoren zuvor dem Anlass entsprechend in sterile weisse Schutzanzüge gezwängt. Schutzbrille und Atemschutz dienten zur Abwehr von bisher nicht bekannten, aber möglicherweise um so tödlicheren Keimen und Erregern, die vom Kadaver ausgehen konnten.
 
Beispielsweise der virentechnischen Antwort eines weit entfernten Universums auf die hiesige, derzeit aus allen Medien quellende Schweinegrippe.

 © Das Exponat wird mit grösster Sorgfalt ausgewählt . . .
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Wissenschaftliche Akribie und Sorgfalt bestimmten die Arbeitsweise des sezierenden Kompetenz-Teams.
 
Langsam tastete sich das Obduktionsduo an das auf einem Rolltisch vor ihm aufgebahrte matschige grünige Etwas heran und begann mit eher zögerlichen Scnitten den Brustkorb aufzutrennen, um mit Scheren und Pinzetten Organe und Partikel aus dem misteriösen Inneren des Fremd-Körpers  ins grell-gleissende  Neonlicht zu befördern.

. . . und akribisch analysiert.
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. . . und akribisch analysiert.
Die Gewebeproben wurden mit mikroskopischem Blick analysiert und anschliessend in die Münder der sich hinter einer Ansperrung drängelnden Zuschauer verteilt.
 
Das Publikum wartete bereits auf besagte Kostproben, schliesslich hatte man ihm vorab mitgeteilt, dass es sich bei dem zu sezierenden Ausserdirdischen um einen essbaren Fremdling handeln würde.
 
Im Laufe der Obduktion wurden schritten die Wissenschaftler mit immer grösseren Sicherheit in ihrem Tun voran: Der Schädel mir einer Säge durchgetrennt, später sogar der Brustkorb mit Klemmen zwischen rippen- und jochbeinähnlichen knochenartigen Strukturen fachgerecht aufgesperrt.

Blick auf den Alien-Körper
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Blick auf den Alien-Körper
Auch wenn alles fast so echt aussah wie im richtigen Leben – oder zumindest im Fernsehen: Die Alien-Autopsie wird nicht als Sternstunde in die Analen der Wissenschaftsgeschichte eingehen.
 
Bei der geschilderten Obduktion handelte es sich um eine Kunst-Aktion im Rahmen der Kulturveranstaltung “Canarias At The Hotel” des “Skaelextrix-Teams”, bei der sich unter anderem auch zahlreiche Plattenlabels mit Sitz auf den Kanaren und auf dem spanischen Festland vorstellten.
 
Die Akteure des Happenings waren aber durchaus versierte Experten in ihrem Metier: Für die kulinarischen Leckereien im Inneren des Aliens zeichnete Carlos Gamonal verantwortlich, der sonst Banketts im renommierten “Mesón de Drago” in Tegueste veranstaltet.

Wissenschaftliche Begeisterung in Reinkultur
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Wissenschaftliche Begeisterung in Reinkultur
Von Video-Künstler Oliver Behrmann stammte nicht nur das Konzept der Aktion, er hatte zuvor auch Stunden damit verbracht, aus kiloschwer angerührtem Zuckerguss mit Gelatine und Farbstoffen die Hülle des zu sezierenden Ausserirdischen zu kneten.
 
Es war nicht die erste skurille Kunst-Aktion Behrmanns: Vor zwei Jahren propagierte er eine Unterschriftenaktion, um im kanarischen Parlament per Bürgerantrag den Bau eines zwanzig Meter hohen Beton-Loopings über Teneriffas Autobahn im Bereich der Onselhauptstadt zu fordern; eine Aktion mit parodistischem Charakter, die sich auf die damals noch im Bau befindliche Strassenbahn bezog.

Forscher-Stolz: Freigelegte Alien-Organe
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Forscher-Stolz: Freigelegte Alien-Organe
Das Ende der Alien-Autopsie war allerdings nicht der Schlusspunkt der Veranstaltung: Während der Mann vom “Delay-TV”-Video-Team und die Koch-Koryphäe aus den Weinbergen des Anbaugebietes Tacoronte-Acentejo noch ihre Utensilien zusammenpackten, rockte die Madrider Kult-Combo “Sex Museum” im Keller eigene Werke garniert mit Cover-Versionen von AC/DC.
 
Die Alien-Autopsie im Netz:  
www.myspace.com/alienatthehotel

Weitere Informationen: www.mesoneldrago.com/
www.canariasatthehotel.com/
www.ciuc.es/www.myspace.com/delaytv