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Roque Bermejo

Steil aufragender Bernsteinfelsen

Traumhafte Aussicht
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Traumhafte Aussicht
13.05.2006 - Teneriffa - Eine der urwüchsigsten Regionen Teneriffas ist das Anagagebirge im Nordosten der Inseln. Hier gibt es kleine Gebirgsdörfer, die nahezu von der Außenwelt abgeschnitten in zerklüfteten Tälern liegen, obwohl sie zum unmittelbaren Einzugsbereich der Inselhauptstadt gehören. Eine der faszinierendsten Wandertouren in dieser Gegend führt vom höher gelegenen Bergdorf Chamorga zum Felsen Roque Bermejo.

Ausgangspunkt Chamorga
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Ausgangspunkt Chamorga
Obwohl Chamorga auf der Landkarte nur einen Katzensprung von Santa Cruz und der Universitätsstadt La Laguna entfernt zu sein scheint, ist die kurvenreiche schmale Strasse dorthin rund dreissig Kilometer lang. Im Abschnitt von hundert Metern wurden dort Parkbuchten angelegt, damit die Autos einander ausweichen können.
 
Schon auf der Hinfahrt bietet sich aus Richtung Las Mercedes kommend ein großartiges Panorama. Linker Hand sind zwischen karg bewachsenen Gipfeln Teile des langgezogenen Hafens von Santa Cruz zu erkennen. Frachtschiffe und Fähren erscheinen wie Spielzeugschiffe.
 
Im Norden hingegen erstreckt sich oft ein schneeweisser Wolkenteppich, der die Weite des Atlantischen Ozeans überdeckt. Ab Bailadero wird die Strasse immer schmaler. Von der hier gelegenen Herberge für Wanderer sind es noch zwölf kurvenreiche Kilometer, bis man das Dorf Chamorga nach der Durchquerung eines kleinen Tunnels erreicht hat.
 
Das Dorf ist ein kleiner Flecken mit einer Kapelle aus den vierziger Jahren. Es gibt hier einige Gaststätten. Der Bus aus Santa Cruz fährt den kleinen Ort drei mal täglich an. Außerdem  gibt es hier eine Gaststätte. Wahrzeichen des Ortes sind die hochgewachsenen Drachenbäume oberhalb der Zufahrtsstrasse. Sie waren einst Heiligtümer der tinerfeñischen Ureinwohner des östlichen Guanchenreiches Anaga.
 
Gutes Schuhwerk erforderlich
 
Auf einem Wegweiser in der Ortsmitte sind die Ausgangspunkte verschiedener Wandertouren markiert. Der direkte Abstieg zum Roque Bermejo dauert eine knappe Stunde, der empfohlene Rundkurs hingegen führt über das verlassene Bergdorf Tajada und beginnt mit einem steilen Aufstieg, für den geeignetes Schuhwerk erforderlich ist 

Die Überreste des einstigen Hirtendorfes Tajada im Anaga-Gebirge
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Die Überreste des einstigen Hirtendorfes Tajada im Anaga-Gebirge
Der schmale, gewundene Weg führt durch Felder mit wildwachsenden Dickblatt- und Wolfsmilchgewächsen, Feigenkakteen, Fenchel und zum Teil riesigen Agaven, aus denen hin und wieder schattenspendende kanarische Weiden und Kiefern herausragen. Die Kakteen und  Sträucher, die auf den Vulkansteinen wachsen, sind sogenannte sukkulente Pflanzen, Gewächse, die nicht viel Wasser benötigen.
 
Hin und wieder wird der Weg von kleinen Felshindernissen unterbrochen, die überwunden  werden müssen. Ein Teil der  Wanderer führt lange Stöcke als Aufstiegshilfe mit sich. Bereits bei den Guanchen spielt der Stock eine Rolle bei der Bewältigung von Hindernissen. Daraus ging später ein „Hirtensprung“ genannter sportlicher Wettbewerb hervor.
 
Eidechsen lassen es am Wegesrand rascheln
 
Je weiter man sich dem Kamm des Berges nähert, um so mehr raschelt am Wegesrand. Es sind die Geräusche der Eidechsen, die sich ihren Weg durch die Sträucher bahnen. Auf dem Grat weht eine frische Brise, Schmetterlinge fliegen umher. Nach gut einer halben Stunde ist man in Tajada. Vom  einstigen Dorf ist  nur noch  eine aus Naturstein gemauerte Bauruine vorhanden. Rechts am Gebäude führt ein Weg zu einer Bergspitze.
 
Von dort aus hat man einen traumhaften Ausblick auf die weitere Strecke, doch kleine Schilder mit einem weissen und einem schwarzen Dreieck verweisen darauf, dass man die Wanderroute verlassen hat. Der ausgewiesene Weg führt  links an der Bauruine vorbei. Der lange Abstieg zum Leuchtturm „Faro de Anaga“ beginnt.

Der Leuchtturm
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Der Leuchtturm "Faro de Anaga"
In Serpentinen geht es die nächsten zweieinhalb Stunden durch einen flachen Gebüschteppich bergab. Der am Wegesrand liegende Aussichtsspunkt „Lomo de la Cruz“ bietet einen traumhaften Blick auf Teneriffas vorgelagerte kleine Felsinsel. Der Leuchtturm überrascht: Photovoltaik-Platten auf dem Nebengebäude zeigen, dass die Solarenergie bereits bis hierher gekommen ist. Das nächste Wegstück verläuft auf einem breiteren, zum Teil mit Steinen gepflasterten Weg, der einst zur Versorgung des Leuchtsturms vom Meer her diente.
 
Kurz darauf erreicht man eine Gabelung mit einem Wegweiser auf dessen verwitterten Ortschilder sich bereits andere Wanderfreunde verewigt haben. So ist zu lesen, dass ein „Nico“ bereits 1986 hier vorbeigekommen ist.
 
Felsen vor der ruhigen Badebucht
 
Während die rechte Abzweigung zurück nach Chamorga führt, verläuft die bergab führende Strecke zu einer nach dem Roque Bermejo benannten kleinen Siedlung Am Ortseingang befindet sich eine kleine geöffnete Kapelle, mit Lichtern und Heiligenfiguren. Ein Blick an die Risse an der feuchten Decke zeigt, dass es hier öfter regnet und rauhe Winde wehen.

Am Ziel
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Am Ziel
Von hier führt der Weg an weissen Häusern vorbei und über Natursteinbrücken hinweg. Rechts und links des Weges erscheinen bald kleine Strände mit schwarzem Sand. Kurz darauf hat man das Ziel erreicht: den charismatischen Felsen Roque Bermejo, ein Steinmonument vor hohen Küstenklippen, dem seine leicht rötliche Farbe den Namen gab. Hier liegen auch die Boote der Besitzer der Häuser, die im Dorf ihre Freizeit verbringen. In dem klaren Wasser der idyllischen, flachen Bucht, die nur mit dem eigenen Boot oder einem langen Fussmarsch zu erreichen ist, lässt es sich ungestört baden.
 
Angler balancieren über die Steine am Ufer zu dem großen roten Felsen hinüber, um ungestört auf Beute zu warten. Möwen schiessen aus der Luft auf die Wasseroberfläche und schnappen nach kleinen Fischen. Ein paar Taucher haben hier ihre Zelte aufgeschlagen und erforschen wundersame Unterwasserwelten. Mit der Zeit steht die Sonne immer tiefer, so dass der Rückweg angetreten werden sollte, denn auch im Sommer weht im Anaga-Gebirge nachts ein kühler Wind.
 
Beschwerlicher Aufstieg nach Chamorga
 
Der Rückweg sollte angetreten werden, solange es noch hell ist, da man sich hier leicht  verlaufen kann. So mussten unvorsichtige Wanderer schon  mit dem Hubschrauber gerettet werden. Der Aufstieg zum Ausgangspunkt dauert rund neunzig Minuten. Es geht entlang an Wasserrohren und Stromleitungen, sichtbaren Zeichen des technischen Fortschritts. Im unteren Abschnitt liegen kleine Fincas, deren Besitzer die Wochenende damit verbringen, Obst und Gemüse anzupflanzen und Ziegen halten.
 
Später verfläuft die gewundene  Strecke  an Abhängen entlang, anfangs durch Gräser und Farn,  später über Vulkanstein, in den in einigen Abschnitten Stufen geschlagen wurden. Am späten Nachmittag ist die Strecke sehr schattig. Die Eidechsen flitzen  zum Teil in Rudeln über den Weg. Im Gegensatz zum Erklimmen von Gipfeln, wo der anstrengendste Teil nach dem Erreichen der Bergspitze geschafft ist, beginnt der ermüdendste  Abschnitt dieser Tour erst nach dem Erreichen des Ziels.
 
Doch bald sind die ersten kleinen „Caseta“ genannten Hütten als Vorboten von Charmoga zu sehen, plötzlich ist kanarische Folklore zu hören und kurz darauf ist man am Ziel. Auf der Rückfahrt bietet sich an diesem Tag ein erstaunliches Bild: Unterhalb der Strasse sind weisse Wolken aufgezogen aus denen die Berggipfel wie kleine Inseln herausragen.
 
Der Roque Bermejo Rundkurs ist neun Kilometer lang. Er beginnt auf einer Höhe von 700 Metern und führt bis zur Küste hinab. Die Strecke ist in viereinhalb Stunden zu bewältigen, dauert aber in Gruppen inklusive eines ausgedehnten Badeaufenthalts länger. Der Strand ist von Charmorga auch in knapp einer Stunde zu erreichen. Für den Rückweg sollten mindestens 90 Minuten eingeplant werden.