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Romantik in Los Realejos

Traumhafte Rambla del Castro

Postkartenidylle im Norden
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Postkartenidylle im Norden
13.05.2006 - Teneriffa - Eine der romantischsten Wanderrouten Teneriffas verläuft unterhalb von Los Realejos. Schon die Naturforscher des 19. Jahrhunderts wandelten auf der von Palmenhainen gesäumten Rambla de Castro entlang. Die Landschaft versprüht das Flair einer kitschigen Urlaubskarte, nur dass nichts retuschiert wurde.

Drachenbäume als Blickfang
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Drachenbäume als Blickfang
Vermutlich entstand hier das Klischee von der Insel des „Ewigen Frühlings“. Ausgangspunkt der Wanderung ist der Aussichtspunkt „Mirador San Pedro“. Dorthin gelangt man auf der Umgehungsstrasse C 820, der Verlängerung der Autobahn TF 5 in Fahrtrichtung Icod de los Vinos. Von Puerto de la Cruz kommend passiert man Los Realejos. Kurz hinter dem Tunnel, der unter dem Ortsteil San Agustin verläuft, ist der Aussichtspunkt auf der rechten Seite ausgeschildert.
 
Auch ohne eigenen Wagen ist die Anreise unkompliziert. An einer nahegelegenen Haltestelle halten alle Busse in Richtung Icod de los Vinos und Buenavista. Etwas unterhalb der Aussichtsplattform mit dem Münzfernrohr befindet sich die namensgebende Wallfahrtskapelle „San Pedro“ aus dem 16. Jahrhundert. Der Mirador bietet eine phantastische Aussicht über die tiefer liegenden Bananenplantagen und die dunkelblaue Weite des Atlantischen Ozeans.

Ein faszinierender Aussichtspunkt
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Ein faszinierender Aussichtspunkt
Linker Hand reicht die Sicht  bis zur Steilküste der  rund sieben Kilometer entfernten Gemeinde  La Guancha, rechts hat man die vorgelagerten Klippen von Santa Ursula, La Matanza und El Sauzal im Blick. Die Rambla de Castro ist auf zwei Wegen zu erreichen. Einer führte über die enge natursteingepflasterte Strasse an der Kapelle „San Pedro“ vorbei hinab zum kleinen, von landwirtschaftlichen Fincas umrahmten Dorf Casano.
 
Historisches Herzstück des Fleckens ist ein traditioneller Waschbrunnen aus dem 19. Jahrhundert. Es folgt ein schmaler, dunkler Tunnel, vor dessen Eingang ein Gertendickicht  mit roten Blüten herunterrankt, das  nur geduckt passiert werden kann. Am rund fünfzig Meter entfernten Ortsende befindet sich ein Aussichtspunkt, von wo der Ozean  und die angrenzenden Plantagen überblickt werden können.
 
Kleine romantische Buchten am Wegesrand

Fischerboote vor den Klippen
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Fischerboote vor den Klippen
Der eigentliche Wanderweg verläuft allerdings nach dem Passieren des Tunnels über die, hinter einem Mauervorsprung auf der rechten Seite verborgene, rustikale Holzbrücke zur  Hacienda de Castro und ihren historischen Gebäuden. Der zweite Zugang zur Rambla de Castro führt vom Parkplatz des „Miradors San Pedro“ über die kurvenreiche Natursteinstrasse zu den Bananenhainen hinab und hat den Nachteil, dass man bereits an vielen Attraktionen der gut ausgeschilderten Route vorbei gelaufen ist, wenn man auf den eigentlichen Wanderweg stösst.
 
Die meisten Sehenswürdigkeiten der Tour liegen nicht direkt am Weg, sondern sind über Stichwege zu erreichen. So gibt es einen Pfad an der Mauer der Hacienda entlang zur Punta de Guindaste. Am Ende dieser Landzunge steht ein kleiner, von Palmen umsäumter Pavillon, der das Flair des Romantik-Zeitalters  versprüht. Ortsfremde entdecken das kleine Bauwerk zumeist erst, wenn sie bereits an der Holzbrüstung des  Aussichtspunktes oberhalb der Playa Fajana stehen.
 
Hat man diesen Punkt erreicht, ist man  bereits einen guten Kilometer zu weit gelaufen. Neben dem Pavillon befindet sich eine gewundene Steintreppe, die  zum fünfzig Meter tiefer gelegenen Steinstrand  der Punta de Guindaste hinabführt. Hier gibt es  eine kleine Rampe, über die Fischerboote zu Wasser gelassen werden können. Der Rückweg von der Hacienda zur  Rambla de Castro führt über  einen von hohen Palmen gesäumten Weg, an dessen Rand umgekippte Baumstämme liegen, die Fabelwesen zu gleichen scheinen.
 
Festung aus der Zeit Napoleons

Eine Küstenfestung aus Napoleons Zeiten
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Eine Küstenfestung aus Napoleons Zeiten
Kurz darauf hat man die Abzweigung zum „Fortín San Fernando“ erreicht, einer kleinen gelbgestrichenen Festung aus dem Jahre 1808. Der Bau entstand während der Napoleonischen Kriege. Damals war Spanien mit Frankreich verbündet und musste sich gegen die Angriffe der britischen Marine wehren. Bereits zwölf Jahre zuvor war Teneriffa in die Schusslinie britischer Militärstrategen geraten, als der britische Admiral Horatio Nelson die Inselhauptstadt Santa Cruz angriff. Das Fortín hatte von Nelson indes nichts mehr zu befürchten, da der Admiral bei seinem größten Sieg, der Seeschlacht vor Trafalgar, sein Leben liess. 
 
Heute wirkt die Festung  „San Fernando“ eher idyllisch denn wehrhaft, auch wenn hier die Schiessscharten von einst  bewundert werden können und die Mündungen der verbliebenen drei von einst  fünf schweren Kanonen,  in drei Richtungen in den Himmel ragen. Von der Aussichtsplattform des Fortíns hat man einen hervorragenden Blick auf die vorgelagerte kleine Felsformation in der Brandung und den tiefer gelegenen kleinen Felsstrand der Playa Castro, zu der eine Treppe hinabführt.
 
Von der Festung geht es über  eine Bretterbrücke, die über das Flussbett des Barranco Godínez hinwegführt, an einem kleinen Feld mit skurril geformten Drachenbäumen vorbei zur Playa Fajana. Hinter dem Namen verbirgt sich  eine Bucht mit einem Felsstrand sechzig Meter unterhalb des Wanderweges. Dorthin führt ein dreihundert Meter langer Serpentinenpfad mit vielen hohen Natursteinstufen, der durch ein Geländer gesichert ist. Ein Wasserauffangbecken und eine Ruine sind Zeichen dafür, dass die kleine Bucht einst gewerblich genutzt wurde.
 
Industrieruine als Farbtupfer

Die Industrieruine der Firma Hamilton aus der Gründerzeit
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Die Industrieruine der Firma Hamilton aus der Gründerzeit
Hinter der Abzweigung zur Playa Fajana beginnt der einzige steile Aufstieg der Wanderroute. Er ist einen knappen Kilometer lang. Danach  verläuft der Weg links hinter der Finca Siete Fuente bergab in Richtung Romantica I. Neben der Brücke kurz vor der  Siedlung  befindet sich eine  steile Treppe. Sie führt zum „Elevador de Aguas de Gordujuela” hinab, einer Industrieruine aus dem Jahre 1903.
 
Hier wurde einst an einem Steilhang die erste Dampfmaschine Teneriffas betrieben. Wirkte das Gebäude von oben wie ein bunter Farbpunkt vor dem dunklen Blau des Ozeans, so erscheint das mehrere Stockwerke hohe Haus  wie der steil in den Himmel ragende Turm eines Schlosses, wenn man davor steht. Das Innere  des Bauwerks ist inzwischen mit Rasen und Unkraut überwachsen. Jugendliche Grafitti-Artisten haben an den Wänden dieses Reliktes vergangener Ingenieurskunst ihre Spuren hinterlassen.

Urwüchsige Felsen am Ziel
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Urwüchsige Felsen am Ziel
Weiter geht es auf einem, von einer kleinen Mauer gesäumten Weg, der sich unterhalb von Romantica I an den Berg schmiegt. Danach passiert man die Strassen Las Palmeras und Las Ampolas in der Siedlung Romantica II. Die Schlussetappe führt an der Bucht von Los Roques vorbei  zum Hotel Maritim. Die Bucht wurde nach drei riesigen, der Küste vorgelagerten  Felsen benannt. Hier befindet sich auch ein  idyllischer Kiesstrand, der sich in einem Halbkreis in der Bucht entlangzieht. Er ist über eine Treppe erreichbar.
 
Die Wanderroute entlang der „Rambla de Castro“ ist verkehrstechnisch gut erschlossen. Vor dem Hotel Maritim stehen Taxis bereit, die Bus-haltstelle in der Strasse El Toscal in Los Realejos ist in wenigen Minuten zu Fuß zu erreichen.  Die „Rambla de Castro“ eignet sich gut als Sonntagsspaziergang, stellt aber auch sportliche Anforderungen, wenn man zu allen Sehenswürdigkeiten und Stränden hinabklettert an denen sie vorbeiführt. Natürlich kann man die Tour auch in umgekehrter Richtung absolvieren. Am  „Mirador San Pedro“ gibt es darüber hinaus ein  Restaurant mit kanarischen Spezialitäten, das ausser mittwochs täglich von 10.30Uhr bis 22.30 Uhr geöffnet ist.