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Der Barranco del Infierno

Teneriffas Höllenschlucht

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13.05.2006 - Teneriffa - Der Wanderweg durch die Schlucht oberhalb des Ortes Adeje besticht durch seine einzigartige landschaftliche Schönheit und seine abwechslungsreiche Vegetation. Teneriffas landschaftliche Vielfalt und hat Wanderfreunden viele Sehenswürdigkeiten zu bieten. Dazu zählt auch der Barranco del Infierno.

Ein faszinierender Wanderweg an steil aufragenden Felsen entlang
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Ein faszinierender Wanderweg an steil aufragenden Felsen entlang
Dort existiert eine Pflanzen- und Tierwelt, die teilweise einzigartig auf der Welt ist. Die deutsche Übersetzung des Barranco-Namens lautet „Höllenschlucht“. Sie entstand im Laufe von Jahrtausenden durch Erosion. Die einst sehr starken Regenfälle rannen das oberhalb von Adeje gelegene Gebirge in Richtung Meer hinab und formten tiefe Schluchten, an deren Seiten heute verwitterte Felsen steil in den Himmel ragen.
 
Teile dieses Felsmassivs, etwa der benachbarte Roque Los Brezos sind Rudimente eines längst verloschenen Vulkans. Teneriffas Ureinwohner, die Guanchen trieben einst ihre Viehherden durch die pflanzenreiche Schlucht zur Tränke am Bach in den Weidewald hinauf. Heute ist der Barranco Teil eines Naturschutzreservates. Daher unterliegt der Besuch gewissen Beschränkungen. So kann die Schlucht nur tagsüber besucht werden. 
 
Der Wanderweg führt am Rande des Barranco unterhalb der steil in den Himmel ragenden Felszacken entlang und ist anfangs sehr staubig. Es geht über Stock und Stein. Teile des Weges führen über Felstreppen oder Stufen, bei denen die Auftritte zum Teil mit Holzbohlen eingefasst sind. Immer wieder flitzen Eidechsen von einer Seite des Weges zur anderen.

Pflanzen, die die Trockenheit lieben, säumen den ersten Abschnitt
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Pflanzen, die die Trockenheit lieben, säumen den ersten Abschnitt
Damit auch weniger geübte Wanderer nicht aus der Puste kommen, gibt es auf dem ersten, etwas steileren Stück des gewundenen Pfades zahlreiche Plätze zum Ausruhen. Nach dem Passieren der alten Steinbrücke nach rund einer halben Stunde erreichen die Besucher  einen Aussichtspunkt mit traumhaftem Blick über Adeje und den Atlantischen Ozean.
 
In diesem Abschnitt der Schlucht wachsen zahlreiche Büsche und Sträucher auf den Felsvorsprüngen, zum Beispiel Strauchmargariten. Dazwischen tummeln sich zahlreiche Kakteenarten. Der Biologe spricht in diesem Zusammenhang von einer sukkulenten und thermophilen Fauna und meint damit Pflanzen, die Hitze lieben oder sich ihr angepasst haben und über längere Zeiträume ohne Wasser auskommen können, da ihr Verbrauch sehr niedrig ist.
 
Bald führt der Weg am Bach entlang

Bald führt der Wanderweg am Bach entlang
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Bald führt der Wanderweg am Bach entlang
Doch nach und nach ändert sich die Landschaft. Nach einem knappen Kilometer säumt ein bergab führender Wasserkanal den Wanderweg: Eine von zwei Wasserleitungen, die vom Barranco in Richtung Adeje verlaufen. Die ältere Leitung wurde bereits vor 480 Jahren von den spanischen Eroberern zur Bewässerung einer Zuckerrohrplantage gebaut. Die zweite wurde 1945 zur Versorgung des Ortes Adeje errichtet. Sogar Mühlräder wurden mit dem Wasser der Schlucht angetrieben. 
 
Inzwischen reicht das Wasser des Barranco del Infierno allerdings zur Versorgung von Adeje nicht mehr aus. Deshalb wird der Ort jetzt auch  mit  Wasser  aus dem 40 Kilometer entfernten Barranco der Gemeinde Fasnia versorgt.

Verschnaufpause kurz vor Erreichen des Ziels
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Verschnaufpause kurz vor Erreichen des Ziels
Der Kanal verläuft jedoch nicht den gesamten Pfad entlang. Er endet nach einem Drittel des Weges und wird von dem ihn speisenden Bach abgelöst. Das tosende Geräusch des  herabfliessenden Wassers schwillt in der Folge mehr und mehr an.
 
Die Landschaft scheint urwaldähnliche Züge anzunehmen, führt der Weg doch jetzt durch die stets feuchte Schluchtsohle, in der sich der größte Wald der Insel mit Kanarischen Weiden befindet. Es geht über verdorrte Baumstämme hinweg oder unter knorrigen Astgabeln hindurch. Mehrmals muss der Bach überquert werden. Hin und wieder gibt es Brücken oder Holzstege, doch meist geht es über glatte Steine im Bette des Rinnsals, wobei man aufpassen muss, dass man nicht nicht abrutscht. 
 
Wasserfälle rauschen die Felsen hinab

Ein majestätischer Anblick
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Ein majestätischer Anblick
Nach der letzten Überquerung des Baches erhebt sich ein Felsen steil in den Himmel: Der erste Wasserfall ist erreicht. Hier fliesst das Wasser im Schein der Sonne in einem schmalen Film die Steinwand hinab und mündet in einen kleinen Teich. Viele Wanderer legen hier eine Pause ein und bewundern das Naturschauspiel. Es ist in der Tat ein atemberaubender Anblick. Nur ein kleiner Wehmutstropfen bleibt: Ein erfrischendes Bad im Bach oder im See vor dem Wasserfall ist leider nicht gestattet.
 
Doch das Ende des Weges ist noch längst nicht erreicht. Es gibt noch einen zweistufigen Wasserfall, der in einem höhlenähnlichen Felsgewölbe entspringt. Dorthin führt ein schattiger Weg, der an sich auftürmenden Felswänden entlang über Gesteinsbrocken hinweg führt. Der Wanderweg durch den Barranco del Infierno ist insgesamt 6,3 Kilometer lang. Die Strecke mittleren Schwierigkeitsgrades hat einen Höhenunterschied von 200 Metern. Er lässt sich in drei Stunden locker bewältigen, da es keine anstrengenden Aufstiege gibt. Allerdings wird festes Schuhwerk empfohlen.
 

Skurrile Gewächse säumen den Wegesrand
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Skurrile Gewächse säumen den Wegesrand
Wanderer sollten darüber hinaus darauf achten, wohin sie treten, denn unterhalb des Weges geht es steil in die Tiefe. Auch eine Kopfbedeckung, Sonnenschutz und eine Flasche Wasser sollten mitgenommen werden. Die Wandertour kostet drei Euro. Eintrittskarten können am Kiosk neben dem Zugang zur Schlucht erworben werden. Zusammen mit dem Ticket erhält der Besucher einen leuchtendgrünen Aufkleber. Es ist sinnvoll, sich zuvor bei der Verwaltung des Barranco del Inferno frühzeitig anzumelden, da der Zugang zur Schlucht auf 200 Personen pro Tag begrenzt ist.

Pünktlichkeit bei der Ankunft ist angebracht, da die Karten bei zu großer Verspätung an spontan vorbeikommende Tagesgäste weitergeben werden. Um 14.00 Uhr kann der Barranco del Infierno letztmalig betreten werden. Es wird empfohlen, früh loszugehen, da um 16.00 Uhr ein Mitarbeiter der Parkverwaltung vom letzten Wasserfall losgeht, um die verbliebenen Besucher zum Ausgang zu führen.
 
Wer bis dahin nicht den ganzen Weg zurückgelegt hat, muss ein zweites Mal wiederkommen, um die Wasserfälle zu bewundern. Ein Restaurant zur Stärkung liegt direkt neben dem Eingangstor der Schlucht. Es gibt ein Telefon für Reservierungen und weitere Informationen zum Barranco Inferno. Die Mitarbeiter sprechen zum Teil deutsch. Tel.: (0034) 922 78 28 85