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Kanarische Winzerparadiese

Weingut Teneriffa

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13.05.2006 - Teneriffa - Teneriffas Weine sind berühmt. Aufgrund der unterschiedlichen Boden- und Klimaverhältnisse wird eine breite Palette unterschiedlicher Qualitätsweine produziert. Bereits vor rund fünfhundert Jahren hatten Teneriffas Weine ein großes Renommee. Sogar William Shakespeare schwärmte von ihnen.

Die Trauben werden sorgfältig überprüft und ausgewählt
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Die Trauben werden sorgfältig überprüft und ausgewählt
Das verwundert nicht, denn  im 16. Jahrhundert hatten britische Kaufleute auf Teneriffa Niederlassungen. Das Verhältnis zwischen kanarischen Weinbauern und britischen Exporteuren war nicht immer spannungsfrei, wie ein Denkmal am Ortseingang von Garachico aus Richtung Icod de los Vinos zeigt. 
 
Es ist dem Winzeraufstand von 1666 gewidmet. Damals schütteten die Weinbauern aus Protest gegen das britische Preismonopol den Inhalt der Rotweinfässer auf die Strasse und liessen ihn die Abhänge hinabfliessen. Der Vulkanausbruch im Jahre 1706 bedeutete jedoch einen schweren Einbruch für die Winzer.
 
Nicht nur die Stadt Garachico, der damals wichtigste Hafen der Insel, wurde von den Lavamassen begraben, auch der Weinanbau im Nordwesten kam für lange Zeit zum Erliegen. Erst in den letzten Jahren wurde er mit Unterstützung der Inselregierung wiederbelebt.
 
Bodega um Norden
 
Eine der bekanntesten Weinkellereien in dieser Gegend ist die Bodega „Viñatigo“ in La Guancha, die nicht nur Weine für den nationalen Markt produziert, sondern auch nach Deutschland und in die USA exportiert.  „Viñatigo“ hat in den letzten Jahren zahlreiche Preise bei nationalen und internationalen Wettbewerben in Madrid und Paris eingeheimst. 
 
Das Unternehmen in der kleinen Gemeinde zwischen San Juan de la Rambla und Icod de los Vinos existiert seit 15 Jahren. Es ging aus der sehr kleinen Kellerei der Eltern des heutigen Betreibers, Juan Jesus Mendez Severío, hervor, die 4.000 bis 5.000 Liter im Jahr an die umliegenden Gaststätten verkaufte, einen Bruchteil der heutigen Produktion. 
 
Vor acht Jahren zog „Viñatigo“  nach Beschwerden der Nachbarn aus dem Ortskern in die heutige Anlage am Rande des Dorfes um. Ziel der Bodega-Betreiber ist es, die traditionelle kanarische Weinkultur zu erhalten und  mit modernster Technik zu veredeln.
 
Ausdruck dieser Philosophie ist das Hauptgebäude der Anlage, bei dem traditionelle kanarische Architektur mit modernen Baustoffen kombiniert wurde. Nach dem Betreten des von Weinreben umgebenen Rundbaus aus Vulkanstein geleitet eine Rampe den Besucher in den Keller hinab, der einem schummrigen Gewölbe nachempfunden ist. Hier lagern nicht nur zahlreiche Weine, es finden auch Weinproben an der rustikalen Bar statt, die von den Rudimenten antiker Kelterwerkzeuge und alten Weinfässern eingerahmt ist. 
 
Vom Nebenraum dringt bei offener Verbindungstür das surrende Geräusch der Filter in den hochtechnisierten Weintanks herüber. Die Bodega Viñatigo stellt 14 verschiedene Weinsorten her, die nach der verwendeten Traubenart benannt sind. Dazu zählen unter anderem die Gual-, Listan-, Tintilla- und Malvasia-Trauben. Die Bezeichnung „Malvasia“ leitet sich vom Ursprungsort der Rebe in der Nähe des antiken griechischen Hafen Monemvasia her, „Tintilla“ hingegen verweist auf eine sehr dunkle Traubenart. Allerdings ist nicht von jeder Traubenart die Herkunft ihres Namens bekannt.
 
Die Weine der Kanarischen Inseln sind einzigartig auf der Welt. Trauben wie hier gibt es nirgendwo anders. Das hat mit der Geschichte der Inseln zu tun. Der Archipel war immer eine Zwischenstation auf dem Weg nach Amerika.
 
Von hier gelangten die europäischen und spanischen Trauben in die Neue Welt. Im 19. Jahrhundert brach in Europa und Amerika die Weinplage „Philoxera“ aus. Dabei handelte es sich um Rebläuse, die die Trauben aussaugten, was zur Folge hat, das die Weinreben eingingen. Die Winzer taten nun alles, um die Trauben gegen die Rebläuse resistent zu machen.

Beim computergesteuerten Gärungsprozess wird modernste  Fermentierungstechnik eingesetzt
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Beim computergesteuerten Gärungsprozess wird modernste Fermentierungstechnik eingesetzt
Da es auf den Kanaren aufgrund der entlegenen Lage und strenger Quarantänebestimmungen nie einen Philoxera-Befall gab, haben sich hier Weintraubenarten erhalten, die auf der Welt einzigartig sind. Die Eigenschaften einer Weinsorte hängen aber nicht nur von der Traubenart ab, ihr Entwicklungsprozess dauert vier bis fünf Jahre.
 
Der Prozess beginnt mit der  Wahl der Traube und des Bodens. Es folgen wirtschaftliche und produktionstechnische Analysen im Forschungslabor. Die Herstellungsprozesse sind unterschiedlich. Während für Rotweine die Trauben gepresst werden, wird für den Weisswein nur der Saft verwendet.
 
Auch der Ablauf und die Dauer des Gärungsprozesses, die Kühlphasen, die Zuckerzufuhr und die Lagerung in Eichenfässern, haben Einfluss auf die Farbe, das Aroma und den Geschmack. So werden junge Weine nur drei Monate im Fass aufbewahrt, andere Rebensäfte lagern dort hingegen zum Teil ein Jahr lang.
 
Wurden die Trauben einst in riesigen Holzbottichen gepresst, so werden sie heute in computergesteuerten EDV-Tanks verarbeitet, die von Ingenieuren für Lebensmitteltechnik überwacht werden. „Hygene“, sagt Juan Jesus Mendez Severío, „ist das Wichtigste“ in einer Bodega. Mit den überlieferten Arbeitstechniken wäre die Herstellung der heutigen hochwertigen Weine nicht möglich. 
 
Die Qualität der Rebensäfte wird auf Teneriffa genau kontrolliert. Es gibt fünf „denominación“ genannte Anbaugebiete auf Teneriffa: Das Orotavatal, Tacoronte-Acentejo, Güimar, Abona und Icoden-Daute-Isora, in der sich auch die Bodega Viñatigo befindet.

Der Wein wird in Flachen gefüllt und mit einem Etikett versehen
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Der Wein wird in Flachen gefüllt und mit einem Etikett versehen
Jedes Anbaugebiet gehört zu einem „comarca“ genannten Bezirk. Die Unterteilung macht Sinn, da die geographische Entstehungsgeschichte und die klimatischen Verhältnisse in den einzelnen Zonen sehr unterschiedlich sind. So haben beispielsweise die vom Atlantik kommenden „Alisio“ genannten Passatwinde einen Einfluss auf die Pflanzenentwicklung und die Möglichkeit einen Rotwein herzustellen. 
 
In den Akten jeder „denomicación“ ist die Herkunft und Herstellung aller Weine und Trauben dokumentiert. Jeder Winzer muss sogar die einzelne Parzelle von der seine Trauben stammen, nachweisen. Für jeden Weinberg gibt es eine Trauben-obergrenze, um zu verhindern, dass Trauben aus anderen Regionen mit falschen Papieren an die Kellereien geliefert werden.
 
Vom fertigen Produkt werden dann Proben genommen, die von Experten der kanarischen Regierung analysiert werden. Wird der Wein für gut befunden, erhält er ein nummeriertes, mit einem Hologramm versehenes Etikett, das seine Herkunft und die Qualität des Produktes bestätigt.
 
Das heisst allerdings nicht, dass der Wein auch jedermann schmeckt. Das „gut“ und „schlecht“ sehr subjektive Urteile sind, weiss auch Juan Jesus Mendez Severío. Seiner Meinung nach muss ein Wein die „Erwartungen des Konsumenten entsprechend seiner Kenntnisse und seinen Ansprüche“ erfüllen. Vom „technischen Standpunkt“  her sollte er ein Gleichgewicht bezüglich Aroma, Farbe und Geschmack“ aufweisen. Das meint unter anderem das ein junger Weisswein oder ein alter Rotwein schon anhand ihrer Farbe erkennbar sind.
 
Der Geschmack sollte „rund“ sein. Damit ist unter anderem gemeint, dass nicht einzelne Zutaten wie beispielsweise der Zucker herauszuschmecken sind. Weinproben sind in der Bodega Viñatigo  werktags von 8.00 – 13.00 & 14.00 – 18.00 Uhr sowie samstags von 8.00 – 13.00 Uhr möglich. Bodega Viñatigo Calle Cabo Verde s/n  38440 La Guancha Tel.: 922 828 768   www.vinatigo.com