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Schwul-lesbischer Tourismus: Auf Teneriffa voll im Trend

“It´s raining men . . .

Romantik am Riff
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Romantik am Riff
23.11.2009 - Teneriffa - . . . hallelujah!” Die Titelzeile des Songs der "Weather Girls" bringt ein Ziel des tinerfenischen Fremdenverkehrs-Marketings auf den Punkt: Ob “Er & Er” - oder auch “Sie & “Sie”: Die Zahl der schwulen und lesbischen Urlauber auf Teneriffa sollen in den kommenden Jahren in die Höhe schnellen. Dafür wurde das Konzept “Tenerife LGTB friendly” entwickelt. Die Grossbuchstaben stehen dabei für “Lesbian, Gay, Transgender” und “Bisexual”. Praktischerweise existiert für die avisierte Zielgruppe bereits eine touristische Infrastruktur. Sie muss nur noch um das Angebot “Teneriffa” erweitert werden.

Schon Cindy Lauper wusste:
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Schon Cindy Lauper wusste: "Girls just wanna have fun"
Dabei setzt Teneriffas Inselregierung auf eine enge Zusammenarbeit mit in- und ausländischen Unternehmern.
 
Am 20. September fanden zwecks Anbahnung erster Kontakte die “Jornadas de Turismo LGTB” in den Tagungsräumen des Auditorio de Tenerife statt.
 
Experten vom US-Veranstalter IGLTA “(International Gay & Lesbian Travel Association”), vom britischen zielgruppenaffinen Reise-Anbieter “Amro Worldwide” oder von der Spezial-Hotelkette “Hoteles Axel” lieferten mundgerechte Referate über den “Erfolgfaktor: Freizeit”, die “Schlüssel zur Vermarktung des Produktes LGTB” und die Vorraussetzungen zur Schaffung und zum Ausbau eines “LGTB- Reiseziels”. 
 
Markt mit Möglichkeiten
 
Ganz klar: In dieser Hinsicht gibt es einen  erheblichen Nachholbedarf auf der “Insel des Ewigen Frühling”. Zielgruppengerechte Hotels auf Teneriffa
sind beispielsweise auf der “Amro Worldwide”-Homepage nur dünn gesät, und befinden sich in Playa de las Américas, der turbulenten Fremdenverkehrsregion Teneriffa. 

Treffpunkt Kunstmuseum: Auch wenn Caravaggio, Francis Bacon und Andy Warhol im TEA noch fehlen
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Treffpunkt Kunstmuseum: Auch wenn Caravaggio, Francis Bacon und Andy Warhol im TEA noch fehlen
Kein Wunder, dass die Tourismus-Promoter der Insel, “Turismo Tenerife”, die abgeschiedenen stillen Hotels des “ländlichen Tourismus” in der naturnahen “isla baja” in ihrer Werbung besonders hervorheben.
 
Bei der neuen Kampagne geht es mehr um Stolz als um Vorurteil, denn die stets konkurrierende Nachbarinsel Gran Canaria hat im LGTB-Segment die Nase ganz klar vorne.
 
Die Hauptattraktion des Carnavals in der Haupstadt Las Palmas ist die Gala zur Wahl der “Drag Queen”, der Transvestitenkönigin. Weltstar und Schwulen-Ikone Gloria Gaynor hat dort  bereits ihren Hit “I will survive” geträllert.
 
Im Süden der Insel sieht es nicht anders aus: Zur “Gay Pride”-Parade im Touristenzentrum Maspalomas kommen seit Jahren mehr als 50.000 Menschen.
 
Teneriffa hingegen schaffte es im vergangenen Jahr spanienweit auf Titelseiten der Zeitungen, weil der Bischof von La Laguna sich im Vorgespräch zu einem Interview mit der Lokalpresse - mit angemessenen Understatement formuliert -  nicht als unbedingter Verfechter der gleichgeschlechtlichen Ehe geoutet hatte. 
 
Wie dem auch sei, im Tourismus, wie in vielen Bereichen des Lebens ist der schöne Schein wichtiger als das nackte Sein.
 
Liquide Lust 

Urlaub auf Teneriffa: Feuchte Blicke und gefühlvolle Stunden
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Urlaub auf Teneriffa: Feuchte Blicke und gefühlvolle Stunden
Erklärtes Kernziel der Inselregierung bei Teneriffas Etablierung als LGTB-Reiseziel ist nicht die Erhöhung des Freizeitwertes und die Förderung zwischenmenschlicher  Beziehungen für und von erlebnisorientierten Menschen, zwar aus verschiedenen Ländern stammend, aber mit gleich(geschlechtlich)er sexueller Orientierung; es geht schlicht und ergreifend ums Geld.
 
Die schwul-lesbische Kaufkraft ist durchaus beeindruckend. 
 
Nach Erkenntnis des für den Tourismus zuständigen Vizepräsidenten der tinerfenischen Inselregierung, José Manuel Bermúdez, wird jede zwölfte Reise weltweit von Schwulen und Lesben gebucht.
 
Im Umgang mit Geld eher spielerisch, gibt die LGTB-Klientel fünf Milliarden Euro pro Jahr im Urlaub aus und wird dabei, statistisch gesehen, nur von den Briten übertroffen.
 
Um der Zielgruppe eine Vorstellung der typschen Eigenschaften von Land und Leuten zu vermitteln, wurde eine Broschüre erstellt, in der die “authentische”, “aktive” und “moderne” Insel Teneriffa mit ihrer reichhaltigen Angebotspalette ausführlich vorgestellt wird. 

Santa
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Santa "Cruise": Spielerische Entdeckungsreisen in der Inselhauptstadt
Neben identätsstiftenden Fotografien, wird in zahlreichen Nebensätzen auf die besondere Eignung der Freizeitangebote für das “cada vez más númeroso público” oder – eher schlicht  “colectivo” - LGTB verwiesen.
 
So werden die Bucht an der “Montaña Roja” als Szene-Treffpunkt, “lugar de encuentros y de cruising habitual”, der Carnaval und das Nachtleben in Puerto de la Cruz besonders hervorgehoben.
 
Der Touristenort im Inselnorden hatte zwischen den 60 ger und 80 ger Jahren eine Pionierfunktion, als Spaniens Schwule und Lesben begannen, “aus den Schränken hervorzukommen”, um am öffentlichen Leben teilzuhaben.
 
Als Anknüpfung an diesen historischen Kontext ist vermutlich auch das Foto in der Broschüre “Tenerife LGTB friendly” von “Turismo Tenerife”  einzuordnen, das Vater,  Sohn und schwulen Freund auf den Klippen eines Felsenstrandes auf Teneriffa zeigt.
 

Mehr Information: www.tenerife.com/friendly, www.amroholidays.com, www.iglta.org, www.axelhotels.com

Weitere Informationen zu rechtlichen Angelegenheiten und Verwaltungsfragen in Spanien: www.ac-gestiones.es