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Kongress-Palast Adeje

"MAGMA" für die Massen

Das neuerbaute Kongresszentrum
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Das neuerbaute Kongresszentrum "Magma" in der Südgemeinde Adeje
11.05.2006 - Teneriffa - Repräsentative Bauten sollen nicht nur durch ein kluges Raumprogramm und intelligente Funktionalität überzeugen, sondern auch durch Form und Gestaltung eine Botschaft vermitteln. Das beginnt beim neuen Kongress-Zentrum in Teneriffas südlicher Touristengemeinde Adeje bereits bei der Namensgebung.

Der König kam zur Eröffnung
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Der König kam zur Eröffnung
Es wurde schlicht und ergreifend „MAGMA“ getauft. Damit sich diese Bezeichnung auch jedem sofort einprägt, wurden die fünf Buchstaben in großen Lettern praktischerweise an der Außenwand des Gebäudes angebracht. 
 
Das Wort „MAGMA“ hat nicht nur den unschätzbaren Vorteil, dass es in so ziemlich jeder europäischen Sprache vorkommt, sondern verfügt über einen nicht zu unterschätzenden Symbolgehalt. Es ist die griechische Umschreibung für „geknetete Masse“ und bezeichnet im wissenschaftlichen Vokabular die Masse aus Gesteinsschmelze, die sich in der tieferen Erdkruste und im oberen Erdmantel bildet und die Ursache für den Vulkanismus, aber auch die Gesteinsbildung ist.
 
So ist Magma zum Beispiel nicht nur der Rohzustand der Lava, sondern auch von Granit und Basalt. Während der Name des Bauwerks auf die erdgeschichtliche Entstehung Teneriffas und ihr Wahrzeichen, den mächtigen Vulkan Teide, verweist, wurden bei der Gestaltung des Konferenz-Zentrums an der Costa Adeje Bezüge zu seiner Umgebung hergestellt. 

Die felsenförmigen Quader intergrieren das Bauwerk in die Landschaft
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Die felsenförmigen Quader intergrieren das Bauwerk in die Landschaft
Das war umso wichtiger, weil das Bauwerk auch eine optische Trennung zwischen dem rasanten Verkehr der direkt angrenzenden Südautobahn und den sich unterhalb anschließenden touristisch geprägten Siedlungen bildet. Die Costa Adeje wird zum einen durch die beeindruckende Präsenz einer eher kargen Landschaft zum Inselinneren hin, zum anderen durch die Wellen und die Weite des Atlantischen Ozeans und dem steten Blick auf die Nachbarinsel La Gomera geprägt.
 
Die Außenhaut des Zentrums wird daher aus zum Teil versetzt angeordneten künstlichen Felsen gebildet, deren Betonmischung mit hellbraunen Zuschlagstoffen aus porösen Steinen aus dem nahe gelegenen Chasna hergestellt wurde, um der Farbgebung und den Abbruchkanten der Steine in den umliegenden Gebirgen möglichst nahezukommen. 

Das Bauwerk bildet eine optische Trennung zur oberhalb verlaufenden Autobahn
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Das Bauwerk bildet eine optische Trennung zur oberhalb verlaufenden Autobahn
Aufgrund der Wellenform und der Farbgebung fügt sich das Gebäude harmonisch in die Landschaft mit den sich hinter ihm erhebenden Bergen ein. Im Inneren überrascht der Multifunktionsbau durch eine erstaunliche Weite und Vielseitigkeit.
 
Große Fensterflächen und die dezent in der gewundenen Deckenverkleidung integrierten Strahler durchfluten den Innenraum mit einer Helligkeit, die kaum jemand hinter den verschachtelt angeordneten gigantischen Quadern vermutet hätte. Die bebaute Fläche nimmt nahezu zwei Drittel der 27.784 Quadratmeter des Grundstückes ein, auf dem das  29 Millionen Euro teure Kongresszentrum und seine Außenanlagen errichtetet wurden. Die Nutzfläche beträgt 14.141 Quadratmeter. 
 
Großzügige Innenräume
 
Der Innenraum im Erdgeschoss besteht aus einem rund 1.200 Quadratmeter umfassenden Eingangsbereich und einer 2.840 Quadratmeter großen zentralen Halle, die als Veranstaltungsort für Konzerte mit einer Kapazität von bis zu 2.500 Personen genutzt werden kann.
 
Es ist aber auch möglich diesen Bereich in kleinere Säle für 1.500 bis 300 Personen zu verwandeln; Größenordnungen, die normalerweise für die meisten Kongresse benötigt werden. Das wird durch mehrere, von einander unabhängig funktionierende Trennwände mit innen liegender akustischer Dämmung ermöglicht, die versteckt in Fels-Nischen untergebracht sind.

Die Fassade wird durch versetzt angeordnete Felsen gebildet
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Die Fassade wird durch versetzt angeordnete Felsen gebildet
Auch Funktionseinheiten des Raumprogramms wie Büros, Sanitär- und Versorgungsanlagen wurden raffiniert in den massiven Elementen verborgen und sind über Türen und Zugänge zu erreichen, die sich geschickt in die hellbraune Felsverkleidung der Innenraumwände einfügen.  Neben moderner Bild-, Ton-, Kommunikations-und technik verfügt die Kongresshalle  über eine Cafeteria mit höhlenähnlichem Charme.
 
Es gibt drei separate Eingänge damit auch verschiedene Veranstaltungen im Kongresszentrum parallell stattfinden können, ohne sich gegenseitig zu stören. Über den Haupteingang, der in das große Foyer führt, gelangt man zur Cafeteria oder zu den Sitzreihen des Auditoriums.

Das geräumige Foyer
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Das geräumige Foyer
Ein weiterer Eingang führt ins obere Geschoss. Dort befindet sich ein weiteres 1.865 Quadratmeter großes Foyer, das gleichfalls durch schallgedämmte mobile Trennwände unterteilt werden kann. Es ist dort möglich, einen temporären Komplex mit 50 Quadratmeter großen Besprechungsräumen mit separaten Zugängen zu installieren.
 
Die Anschlüsse für Strom und Zuspielgeräte können aus der Decke herabgelassen werden. Außerdem befinden sich im Obergeschoss mehrere Büros, in denen kleinere Konferenzen abgehalten werden oder, bei Bedarf,  Pressevertreter ihre Artikel verfassen und direkt an ihre Redaktionen versenden können. Für Konzerte mit großen Besucherzahlen steht ein dritter Zugang zur Verfügung, der von der Straße aus über eine Rampe zu erreichen ist.
 
Es gibt eine 1.000 Quadratmeter große Tiefgarage und Freiflächen mit 99 PKW- und zehn Busparkplätzen. Für die Außenbeleuchtung wurde eine dezente Beleuchtung gewählt, die nicht nach oben abstrahlt, um die auf den Kanaren aufwendig betriebenen Forschungen der Astronomen in den Observatorien nicht zu stören.

Vor der Entscheidung für Felsquader wurde mit verschiedenen Wandreliefs experimentiert
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Vor der Entscheidung für Felsquader wurde mit verschiedenen Wandreliefs experimentiert
Für das Dach wurden Faserzementplatten verwendet, die durch eine Oberflächenbehandlung so abgetönt sind, dass die Farbe nicht zu stark von der der örtlichen Steine abweicht. Im Gegensatz zur formalen Komplexität ist das verwendete konstruktive System sehr einfach. Es besteht aus einer Stahlträgerkonstruktion mit einem regelmäßigen Raster und einer Unterkonstruktion mit Teleskopelementen, die eine mittlere Höhe von 45 Zentimetern haben.
 
Auch wenn sich der Repräsentationsbau in der Nähe des Busbahnhofs heute beschwingt und leicht präsentiert, so spiegelt dieses Bild nicht unbedingt die nahezu zehnjährige Bauzeit wieder. Jedes größere Bauprojekt ist Änderungen unterworfen, da die am Zeichentisch und Computer erdachten Aufführungen vor Ort oftmals an kleinen Details scheitern.
 
Vieles entstand auf der Baustelle
 
Doch das erklärt die knapp zehnjährige Bauzeit des Objektes nicht. Tatsache ist, dass beim „MAGMA“-Projekt während der Bauphase der ursprüngliche Entwurf komplett überarbeitet wurde.
 
„Vieles von dem, was das Gebäude heute darstellt, entstand  auf der Baustelle. Nach und nach haben sogar die Bauarbeiter die Entwurfsgedanken verinnerlicht und ohne große Nachfragen richtig ausgeführt“, erinnert sich Andreas Weihnacht, der Projektleiter der  ersten Jahre.

Sogar ein  kleines Betonwerk wurde auf der Baustelle errichtet
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Sogar ein kleines Betonwerk wurde auf der Baustelle errichtet
Der Stuttgarter begann die Baustelle zu betreuen, nach dem er zuvor für das ausführende Büro Menis und seiner beiden Partner an einem Museum auf Lanzarote mitgearbeitet hatte.
 
Ursprünglich gab es ein Grundstück, ein Budget und den Plan, ein außergewöhnliches Gebäude zur Durchführung von Kongressen zu errichten. Doch schnell kamen Aufgaben für den Bau hinzu, die zuvor nicht vorgesehen waren und in den Entwurf integriert werden mussten.
 
Auf Anregung von Viktor Pablo Peréz, dem damaligen Chefdirigenten des Sinfonieorchesters Teneriffa, wurde das Kongresszentrum so gestaltet, dass es auch als Konzerthalle nutzbar ist. Dafür wurden zahlreiche akustische Messungen durchgeführt.
 
Auch die heutige Gebäudeform als Felsformation wurde erst in der Bauphase konzipiert. Ursprünglich sollte die Außenhaut aus Wandscheiben mit Reliefs gebildet werden. Derart gestaltete Wände sind noch heute in der Tiefgarage und in den Innenräumen der Felsquader zu bewundern.
 
Die Reliefs wurden aufgegeben, nachdem man erkannt hatte, dass die gebirgige Umgebung der Landschaft durch ein Felsensemble mit abgebrochenen Kanten erheblich wirkungsvoller wiedergespiegelt werden konnte. Die Umsetzung dieser Idee war nicht gerade einfach.
 
Für die Herstellung der Felsquader musste ein kleines Betonwerk auf der Baustelle errichtet werden. In der Regel stellt eine Baustofffirma festgelegte Betonsorten her, mit der sie eine Vielzahl von Objekten versorgt. Da für das Kongresszentrum MAGMA ein Spezialbeton benötigt wurde, hätte die Umstellung auf die erforderliche Betonsorte bei einem Industriebetrieb einen immensen Kostenaufwand bedeutet, zumal nicht von vorn herein feststand, was für ein Beton verwendet werden sollte. 

Zur Berechnung der Dachhaut wurde mit dreidimensionalen Computer-Simulationen experimentiert
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Zur Berechnung der Dachhaut wurde mit dreidimensionalen Computer-Simulationen experimentiert
Es wurde mit verschiedenen Betonsorten und Gesteinsbrocken unterschiedlicher Größe experimentiert, um das geeignete Mischverhältnis zwischen dem Beton und dem Zuschlagsstoff aus den Chasna-Steinen herauszufinden. 
 
Knapp zwei dutzend zwanzig bis vierzig Zentimeter starke Musterwände, die im Schnitt einen Meter fünfzig hoch und breit waren, wurden gegossen. Auch der Dachaufbau änderte sich während der Bauphase grundlegend. Ursprünglich sollten die einzelnen Funktionsbereiche des Bauwerkes durch verschiedene Dachformen, etwa spitze Shet-Dächer, optisch gegliedert werden. 
 
Die Konstruktion des Daches war sehr arbeitsintensiv
 
Die aufgrund der Nutzung als Konzertsaal erforderliche Konkavform der Decke über dem zentralen Bereich inspirierte das Architektenteam dazu, das gesamte Dach in einer gewundenen Wellenform anzulegen. Von der Idee bis zur Umsetzung war es jedoch ein langer Weg. Den Anfang machte ein  Pappmodell, dessen Dachform in Zusammenarbeit mit Akustikern durch das Zurechtbiegen eines Drahtgitters entwickelt wurde.

Verschiedene Modelle wurden gebaut
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Verschiedene Modelle wurden gebaut
In der Folge entstanden weitere Modelle aus Sand, Pappmacheé, Ton, und Pappe, um die Form des Daches weiter zu präszisieren. Entscheidend für die Dachform war ein 150 mal 150 Zentimeter großes Modell im Maßstab 1:100, bei dem mit Hilfe eines Messapparates die Höhe des Daches alle 4,8 Zentimeter gemessen werden konnten. Das entsprach 4,80 Meter auf der Baustelle.
 
Aufgrund dieser Werte wurde ein Gebäuderaster entwickelt. Parallel dazu entstanden Schnittzeichnungen. Im Computer wurden dreidimensionale Simulationen erstellt. Dazu wurde das Programm „Catia“ eingesetzt, eine Software, die normalerweise im Automobilbau und in der Raumfahrttechnik verwendet wird. 
 
Nur so konnte sichergestellt werden, dass das Dach bei der Ausführung keine Dellen aufweisen würde. Anhand der Schnitte wurde eine Stahlkonstruktion des Daches mit den notwendigen Trägerhöhen erarbeitet, die immer wieder am Modell überprüft wurde.

Die Berechnungen wurden immer am Modell überprüft
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Die Berechnungen wurden immer am Modell überprüft
Die Tragkonstruktion enstand in enger Zusammenarbeit mit einem Statikbüro in Madrid. Eine der wesentlichen Aufgaben im Rahmen der Ermittlung der Höhe und Dimensionierung bestand darin, herauszufinden, wie die auskragenden dünnen Enden der Dachwelle statisch gehalten werden könnten.
 
Das Dach sollte ursprünglich mit Zinkbahnen gedeckt werden, anschließend waren Edelstahlplatten im Gespräch. Am Ende entschied man sich dann aber  für übereinandergreifende Faserzementplatten, da diese sich farblich bessere an die Umgebung anpassten und kostengünstiger waren.
 
Allerdings dauerte es dafür auch eine längere Zeit bis man einen  geeigneten Hersteller auf dem spanischen Festland gefunden hatte. Am 22. November vergangenen Jahres war es dann soweit: Das Kongresszentrum „MAGMA“ wurde eingeweiht. Dabei waren nicht nur lokale und regionale Politik- und Business-Größen anwesend.

Auch Konzerte finden im
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Auch Konzerte finden im "MAGMA" statt
Die Gedenkplatte wurde von Spaniens König Juan Carlos enthüllt, der an diesem Tag passenderweise das dreißigjährige Thronjubiläum beging. Kurz darauf riss der innovative Bau sogar ausländische Architekturkritiker zu gewagten Metaphern hin.
 
So wurde das Gebäude in der „Süddeutschen Zeitung“ Ende Dezember letzten Jahres als „roh, brutal und charmant“ charakterisiert. Es erscheine von der einen Seite wie ein „Stealth-Bomber“, kurz: wie ein futuristisch designtes US-Kampfflugzeug  und von der anderen wie eine „Lava-Landschaft“.

In Zukunft wird es im Kongresszentrum „MAGMA“ allerdings mehr geschäftsmäßig denn majestätisch oder kunstbeflissen zugehen. Die ersten Kongresse von Reiseveranstaltern fanden bereits statt. Die Betreiber zielen insbesondere auf Kunden aus dem Ausland, die Weiterbildungsveranstaltungen mit dem herrlichen Klima und den vielfältigen Freizeitmöglichkeiten Teneriffas verbinden wollen.